Von August Scholtis

Franz Mehring schreibt in seiner "Lessing-Legende" folgenden Satz: "...Aber als ein wieder ausgerissener Deserteur aussagte, der Jesuitenpater Faulhaber in Glatz habe ihm auf seine Anfrage in der Beichte erklärt, die Desertion sei zwar eine große Sünde, aber doch keine Sünde, die niemals vergeben werden könne, da ließ Friedrich diesen Priester ohne Beichte neben einen schon seit einem halben Jahr faulenden Deserteur an den Spionengalgen hängen ..." Daran anknüpfend, schrieb August Scholtis eine preußische Passion "Fahnenflucht" aus den Tagen Friedrichs, genannt der Große, und seiher Langen Kerls, die demnächst im Chronos-Verlag, Berlin, erscheint. – Wir drucken aus der Novelle "Fahnenflucht" ein Kapitel ab:

Nicht ganz zufrieden mit seinem Widersinn fänden die Preußen für Manusch eine Verwendung. Da er mit Tieren von Jugend aufgewachsen war, von Pferden einiges verstand, wurde seiner Sach- und Fachkunde der Marstall zur ausgiebigen und erschöpfenden Betätigung zugewiesen, nachdem ihm freilich das Marschieren gründlich vermittelt worden war, bis auf jene trotz aller Torturen nicht aufzulösende Beharrlichkeit und abneigende Gesinnung in Christo. Manusch pflegte die Pferde seiner Offiziere. Schniegelte und striegelte sie. In allen Augenblicken seines Tuns dagegen, unabreißbar Tag und Nacht, im Wachen und im Schlafen dachte, er an seine ferne Heimat.

Manchmal geschah es in Pausen und Momenten, die es gestatten mochten, wenn er sein geheimes Brüten nicht mehr zu bewahren vermochte, daß zwischen gepreßten Lippen ein Liedchen züngelte. Sein Kamerad und nächster Stallbursch, Michael mit Namen, dem dieses Summen freilich nicht entging, stieß ihn alsdann an, forschend nach seiner innersten Bewegung. Sie hockten öfter neben den Pferdeboxen, und Manusch begann von Schlesien zu reden. Von seiner prächtigen Hochzeit. Von seinem sagenhaft reichen, dennoch gottgefälligen Schwiegervater. Von den Umständen seiner Entführung. Und plötzlich wurde es ihm so, daß er aufspringen mußte, seine Bewegung in einem Verslein entladend:

Schtoand a Mannla hin’ der Tür

Schlug de Trommel üba ’naus.

Pinka, Panka, du mußt raus!