Zum zweiten Male wird die günstige Grenzlage Flensburgs zum Anlaß genommen, eine Exportmusterschau für Einkäufer aus den nordischen Ländern abzuhalten. Sie wird vom 14. Mai bis wahrscheinlich in den September hinein auf 6000 qm Ausstellungsraum 400 deutschen Firmen Gelegenheit geben, ihre Produkte vorzuführen. Die Tatsache dieser zweiten Musterschau in erweitertem Rahmen ist ein anerkennenswertes Zeichen dafür, daß es an deutscher Anstrengung zur Ausfuhr auch angesichts fast unüberwindlicher Schwierigkeiten nicht fehlt. Die Erfolge des ersten Versuchs im letzten Herbst waren wahrlich nicht ermutigend. Zwar betraten mehr als 7000 ausländische Besucher die Ausstellungshallen an der Flensburger Förde und gaben Aufträge über zwanzig Millionen Dollar. Doch der Kaufwille vor allem der dänischen Besucher stand in keinem Verhältnis zu den Möglichkeiten, die Einfuhrgenehmigungen nach Dänemark zu erhalten. Nur sehr wenige Ausfuhrladungen haben Deutschland durch das "Tor zum Norden" verfassen, nur sehr wenige Aussteller dürften auf ihre Kosten gekommen sein. Doch es war eine Investition auf lange Sicht, eine Visitenkarte, die einen Teil der norddeutschen Ausfuhrwirtschaft den skandinavischen Ländern wieder in Erinnerung brachte.

In diesem Jahre wird die Visitenkarte sehr viel repräsentativer sein. Man hat nicht nur die Aussteller mehr nach dem Gesichtspunkt ausgewählt; welche Artikel Skandinavien heute am ehesten kaufen kann: Elektroerzeugnisse, Präzisionsgeräte, Stahlkonstruktionen, Schiffsgeräte neben Verbrauchsartikeln wie Lederwaren, Textilien und anderen Fertigwaren der Leichtindustrien. Man hat auch die Beschränkung auf schleswig-holsteinische Aussteller fallen gelassen. Diesmal werden Aussteller aus allen vier Zonen vertreten sein. Aus der Ostzone erscheinen u. a. die Plauener Textilindustrie, die volkseigenen Betriebe Brandenburgs, die Erzeuger von Kleinsttransformatoren und anderen Produkten der Elektrotechnik sowie die pharmazeutische Industrie. Sicherlich werden wiederum viele nordische Besucher von der Vergünstigung Gebrauch machen, ohne langwierige Einreiseformalitäten und ohne Devisenaufwand diese Musterschau an der Grenze in Augenschein zu nehmen. Man kann den Anstrengungen der Fleinsburger Veranstalter und Aussteller nur wünschen, daß in diesem Jahre nicht nur mehr Aufträge erteilt, sondern auch mehr Exportwaren durch das "Tor zum Norden" hinauswaren werden – trotz der weiterhin wirksamen Hindernisse der Einfuhrverbote für zahlreiche Produkte in den skandinavischen Ländern und trotz der "Gefahr" der Dollarklausel, daß in der vierteljährlichen Abgeltung der Verrechnungsspitzen "harte Dollars" für Waren aus Deutschland gezahlt – werden müssen, über die Skandinavien nicht verfügt. eg.