Zum erstenmal wieder seit meiner Jugendzeit sah ich die Springprozession, die jedes Jahr am Pfingstdienstag in Echternach, im Luxemburgischen, abgehalten wird. Sie kam vom Land herein, voran Schweizer, Chorknaben, Männerscharen, Schüler und dann ein Zug Kleriker im Ornat, Bischöfe, Äbte und sämtliche Pfarrer des Landes, die Litanei zum heiligen Willibrod singend, dem Gründer der Benediktinerabtei. Und dann war die erste Musikkapelle da, und hinter ihr begannen die Echternacher Burschen zu springen. Hemdärmelig, in dichten Reihen durch die ganze Breite der zwischen den Zuschauern freigelassenen Gasse hielten sie sich an Taschentüchern in den Händen einer am andern und sprangen den Prozessionstanz. Wir sangen als Knaben, zu der alten Melodie hochdeutsche und luxemburgische Worte, von denen man nicht weiß, wo sie herkommen und welchen Sinn sie haben.

Adam hatte sieben Söhne,

sieben Söhn’ hat A ... Adam.

Sieben Töchter muß er haben,

Um sie zu bestu’ den (verheiraten).

Das war der ganze Umfang der Springmusik, und sie begann mit einer eifernden Hartnäckigkeit sofort immer von neuem. Wie alle sehr alten Weisen setzte sie mit der Tonleiter an, halb war es Polka und halb mittelalterlicher Reitermarsch. Die Burschen waren schweißgebadet, hatten Tücher um den Kopf gebunden gegen die Sonne. Sie gingen tief ins Knie nieder, schnellten in einem schüttelnden Aufhüpfenlassen den ganzen Körper hoch, der sich versteifte, wenn er den höchsten Punkt erreicht hatte. Den Fuß, von dem sie absprangen, hoben sie jedesmal rückwärts in die Höh, indem sie das Knie anzogen. Sooft sie von einem Fuß auf den andern wechselten, schwenkten sie in einer zackigen Ekstase die Arme und die Hände, mit denen sie sich an den Taschentüchern hielten, indem sie zugleich eine kleine Drehung des Körpers vollzogen.

So machten sie drei Sprungschritte nach vorn und einen rückwärts. Mit offenem Mund rangen sie in ihren überangestrengten Lungen nach Erneuerung der Luft. Aus den Häusern trug man ihnen erfrischende Getränke zu. Und immer wieder schlug sie die alte Weise ... die Tonleiter hinauf und dann wieder hinab... Adam hatte sieben Söhn’ Masurka und mittelalterlicher Reitermarsch. Vor diesem oder jenem Haus sah man einen, der zwischen den andern mit heftigerem Eifer hochging, den Kopf gegen die Fenster gehoben. Er sprang für das Haus. Er hatte vom Hausbesitzer zehn oder fünfzehn Franken bekommen, um für das Haus zu springen. Seine gesteigerte Entflammung war eine Huldigung und Weihe für dessen Bewohner.