Der Ruf Eduard Erdmanns als Pianist, alseine der interessantesten und vielseitigsten Erscheinungen im modernen Konzertsaal, ist unbestritten. Den wenigsten dürfte er als Komponist bekannt sein, und als solcher wird er gewiß nicht gleich einhelliger Beurteilung unterliegen. Schon in den frühen zwanziger Jahren, als dieser eigenwillige Balte komponierend hervortrat – das war, als auf dem Deutschen Tonkünstlerfest in Weimar seine 1. Symphonie lebhaft diskutiert wurde – hatte er sich, auch in kleineren Kompositionen, dem radikalen Stil jener Zeit verschrieben, die wir mit dem Begriff des Expressionismus verbinden, und selbst als Interpret fremder zeitgenössischer Klavierwerke jener turbulenten Epoche, wie etwa eines rabiaten Klavierkonzerts von Arthur Schnabel, ging er damals mit einer beispiellos berserkerhaften künstlerischen Gesinnung für die Moderne ins Zeug.

Inzwischen ist es um den Komponisten Erdmann ruhiger geworden, seine Entwicklung hat ihm den Weg des bedeutenden nachschöpferischen Künstlers gewiesen. Nun überrascht er die Öffentlichkeit mit einer neuen Arbeit, seinem Opus 18. Es ist ein zweisätziges Klavierkonzert von rhapsodischem Charakter, in der harmonischen und melodischen Funktion wie in der tonartlich nicht gebundenen Schreibweisenoch ganz dem etwas ungebärdigen Stil der zwanziger Jahre verhaftet und gelegentlich mit Zügen durchsetzt, die dem heutigen musikalischen Übergang nahestehen. Ein Fugenansatz deutet einmal auf den Kontrapunktiker hin, sonst aber herrscht der Eindruck einer Scheinpolyphonie vor, die bei dem Mangel an Kontrasten das Werk von knapp 20 Minuten Aufführungsdauer reichlich spannungsarm erscheinen läßt, eine Feststellung, die durch die oft merkwürdig spröde Orchesterinstrumentation noch verstärkt wird. Dagegen sind dem Klavier stellenweise recht schöne Partien überantwortet, die dem Gefühl des Respekts vor einer ehrlich abgerungenen Arbeit auch das einer wirksamen künstlerischen Aussage beimischen.

Die Komposition wurde in Duisburg zur Uraufführung gebracht und hatte in Paul Baumgartner einen hingebungsvollen Solisten von geistigem Format, wie in dem Dirigenten Georg Ludwig Jochum einen temperamentvollen Orchesterleiter, der sich in dem, worauf bei diesem recht komplizierten Werk ankommt, gut auskannte. In den achtungsvollen Schlußbeifall, der auch den anwesenden Komponisten hervorrief, mischte sich am ersten Aufführungstag –die Komposition kam an vier aufeinander folgenden Tagen zur Wiedergabe – einiges Zischen, Offenbar war das Vergnügen, das die Aufführung des Werks trotz allem bereitete, nicht allgemein. H.G.F.