Heute, nachdem in Deutschland die anfänglicheBegeisterung für den Partikularismus einer mehr nüchternen Auffassung gewichen ist, heute eine Landesverfassung mit einer offiziellen Rede vor einem deutschen Parlament einzuführen, verlangt nicht nur Takt, sondern auch eine politische Konzeption, die über den Kirchturmshorizont eines zukünftigen deutschen Bundesstaates hinausgeht. HamburgsErster Bürgermeister Brauer hat den Mut gehabt, vor dem Auditorium der Hamburger Bürgerschaft den Verfassungsentwurf des Senats so zu verteidigen, als spräche er verantwortlich als Deutscher vor einem Forum der Weltöffentlichkeit. Er diskutierte die schmerzliche Frage, warum es nötig sei, heute den aller Logik widersprechenden Weg zu gehen, eine Landesverfassung, die nur aus einer Reichsverfassung hervorgehen könne, zu entwerfen und zu beschließen, bevor es eine gesamtdeutsche Verfassung gebe. Er führte weiter aus, warum es nötig sei, an der Einheit Deutschlands festzuhalten und doch einen westdeutschen Staat zu bejahen. "Wir müssen", so erklärte er, "anfangen, das eigene Haus in Ordnung zu bringen, auch wenn es zunächst nur eine Art Notbau werden kann Und eines Tages ersetzt werden muß durch ein Haus, in dem wieder alle Deutschen wohnen." Um endlich einen Anfang zu machen mit der Sicherung des Rechtes, ist es eben nötig, an einer Stelle zu beginnen. Aber "die Besatzungsmächte müssen sich darüber klar sein, daß man die Kräfte des deutschen Volkes nicht zu positiver Arbeit heranzieht, wenn man den geistigen Energien Deutschlands kein positives Ziel setzt, wenn man die Deutschen allzulange unmündig läßt". Freiheit gehört dazu, wenn wir unseren Staat wieder aufbauen wollen, "mehr Freiheit, als wir sie heute noch haben", und dazu ist unerläßlich "ein Besatzungsstatut, das die Beziehung zwischen uns und den Besatzungsmächten auf eine Rechtsbasis stellt". – Es war eine gute, eine mutige und offene Rede, die Hamburgs Bürgermeister Brauer gehalten hat.

Tgl.