Mitte April hat die diesjährige Walfangsaison ihr Ende gefunden, und die Flotten kehren jetzt aus der Antarktis wieder in ihre Heimathäfen zurück. Auf den Mutterschiffen und den vielen Fangbooten herrscht unter den Expeditionsteilnehmern eine freudige und zufriedene Stimmung, da sie in dieser Saison ein Ergebnis buchen konnten, das einen Rekord im antarktischen Walfang darstellt. Durch das internationale Walfangabkommen von Washington war für die Zeit von Dezember 1947 bis April 1948 der Fang von 16 000 Blauwal-Einheiten festgelegt worden. Die Meldungen aus Kapstadt besagen, daß in der abgelaufenen Saison 25 000 Wale gefangen wurden, womit die Höhe der festgesetzten Blauwal-Einheiten erreicht – worden ist. Das Gesamtergebnis der Saison beläuft sich auf 350 000 t Walöl. Bei einem Weltmarktpreis von etwa 100 £ je Tonne dürfte also der diesjährige Fang – abgesehen von den ebenfalls recht wertvollen Nebenprodukten – einen Wert von mindestens 35 Mill. £ haben. Damit war diese Fangsaison die erfolgreichste seit neun Jahren und übertraf selbst das Ergebnis des Vorjahres erheblich.

Es beteiligten sich diesmal 17 Expeditionen mit 175 Fangbooten und 7200 Teilnehmern. Da auch in den norwegischen Unternehmungen des Walfangs britische Gelder investiert sind, dürfte unter den Expeditionen das britische Kapital hervorragend beteiligt sein und für beide Nationen die Monopolstellung sichern. Die norwegische Flagge war in der Reihe der Expeditionen neunmal, die britische viermal, die japanische zweimal, die sowjetische und holländische je einmal vertreten.

Meldungen aus Kapstadt besagen, daß man in der Verarbeitung von Walfleisch für die menschliche Ernährung Fortschritte erzielt habe. Allerdings muß an dieser Stelle ganz bescheiden darauf hingewiesen werden, daß Deutschland, das seit Kriegsende den Walfang nicht mehr betreiben darf, in der Auswertung der gefangenen Wale und besonders in der Ausnutzung des Fleisches für die menschliche Ernährung an erster Stelle lag. Nach deutschem Vorbild hatte man in dieser Saison sogar ein modernes Kühlschiff als Spezialtransporter für Walfleisch in die Antarktis geschickt. Auchder Gewinnung von Vitamin A und Insulin an Bord der Walfang-Mutterschiffe wurde eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt.

Die Saison ist aus und schon beginnen die Sorgen um die neue Walfangsaison. Programmgemäß diskutiert man bereits die Frage der angeblich starken Abnahme der Walbestände, wobei seitens der Norweger und Engländer die Befürchtung im Vordergrund stehen dürfte, daß in den Fanggebieten der Antarktis neue Wettbewerber erscheinen könnten. Vor dem Kriege waren die Flaggen Sowjetrußlands und Hollands in der Antarktis nicht vertreten gewesen. Als beide Nationen schließlich im Vorjahre Expeditionen zur Antarktis schickten, war man über diesen Zuwachs in den übrigen Walfangländern nicht gerade sehr glückliche Hinzu kommt schließlich noch die von den USA gebilligte Teilnahme Japans, das übrigens seine diesjährige Ausbeute vollständig für den eigenen Fettbedarf verwerten darf! Auf den in Aussicht stehenden erhöhten Wettbewerb reagierte die Südafrikanische Union sehr schnell durch die Gründung einer Walfanggesellschaft mit einem Kapital von zunächst 100 000 £. Man will eine alte Walfangstation an der westaustralischen Küste wieder in Betrieb nehmen und ausbauen. Außerdem wurde eine 2700 km südlich Kapstadt gelegene Inselgruppe vorsorglich in Besitz genommen, um den Russen nicht die Möglichkeit zu geben, dort eigene Stützpunkte für den Walfang auszubauen. Auch Argentinien scheint sich auf den Hochsee-Walfang umzustellen, wie die Bemühungen zur Verpflichtung deutscher Walfangexperten beweisen.

Das Ergebnis der günstigen Saison 1947/48 läßt jedenfalls erwarten, daß auch die kommende Saison erfolgreich sein wird. Es läßt aber vor allem die Aussicht auf eine bessere Entwicklung der internationalen Fettwirtschaft in Erscheinung treten. Allerdings bleibt abzuwarten, ob auch Deutschland an diesem Rekordjahr einen gewissen Anteil haben wird, ehe es selbst wieder auf Walfang auslaufen darf.

Willy Wenzke