Die Sowjetunion hat einen Vorschlag der USA angenommen, Verhandlungen zur Beilegung der Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden Staaten aufzunehmen. In einer Note, die der amerikanische Botschafter am 4. Mai in Moskau überreicht hatte, war die große Besorgnis des amerikanischen Volkes über die gegenwärtige Lage, aber auch seine Entschlossenheit zum Ausdruck gebracht worden.

Außenminister Marshall sprach sich vor dem außenpolitischen Ausschuß des Repräsentantenhauses gegen eine drastische Revision der Statuten der Vereinten Nationen aus. Ohne das Einverständnis der Sowjetunion, sagte er, würde dies sicher das Ende der UNO bedeuten. Die Äußerung Marshalls wurde in diplomatischen Kreisen als eine der wichtigsten außenpolitischen Erklärungen seit Kriegsende betrachtet. Man wies darauf, hin, daß Marsh all die friedliche Lösung des Gegensatzes zwischen den USA und der Sowjetunion als eine der wichtigsten außenpolitischen Ziele der USA bezeichnet habe, und fragt sich, ob es sich hier nicht um einen der letzten Versuche der amerikanischen Regierung, handelt, den Kreml zu einer grundsätzlichen Überprüfung seiner Haltung zu veranlassen.

Der Atom-Energieausschuß der UNO bekannte sich in seinem Bericht an den Sicherheitsrat nach 22-monatige Arbeit zu der Ansicht, daß es nutzlos sei, die Arbeiten fortzusetzen, solange die Sowjetunion die Zusammenarbeit in der Frage der Atomenergie auf internationaler Basis ablehne. Der sowjetische Vertreter Gromyko erklärte seinerseits, für den Zusammenbruch der Verhandlungen seien ausschließlich die USA verantwortlich. Ei fordert? die Fortsetzung der Arbeit des Ausschusses.

Die Konferenz, der Sonderbeauftragten für den österreichischen Staate vertrag wurde für unbestimmte Zeit unterbrochen, nachdem über die Frage der Grenzregelung keine Einigung zwischen den Westmächten und der Sowjetunion erzielt werden konnte. Die Russen bestanden auf einer Berücksichtigung der jugoslawischen Ansprüche.

In Stockholm hat die Wehrzentraleeiner "freiwilligen baltischen Militärregierung" ihre Arbeit aufgenommen. Unter der Parole "Estland wieder frei" wurden die in Schweden lebenden Balten aufgefordert, sich zu melden.

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Außenminister Bevin erklärte in seiner Unterhausrede, eine Einigung mit der Sowjetunion wäre seines Erachtens immer möglich gewesen, wenn man es nur mit Rußland und nicht mit der kommunistischen Ideologie zu tun gehabt hätte. Solange der Kreml seine ideologisch bedingte Haltung nicht aufgäbe, werde es wenig Aussicht für eine echte und dauerhafte Lösung geben, da die Sowjetunion stets von der Voraussetzung ausgehe, daß jede Vereinbarung dem kommunistischen Ziel dienen müsse.