Nach der Besetzung und der Teilung in vier Besatzungszonen sah sich auch die deutsche Rauchwarenwirtschaft sehr schnell einer völlig neuen Lage gegenübergestellt. Das frühere Zentrum des deutschen Rauchwarenhandels, Leipzig, mit seinen weltweiten Geschäftsverbindungen, wurde durch den "eisernen Vorhang" von den Westzonen abgetrennt. Die Russen gründeten in Leipzig die "Sojuspuschinä" als die allein für den Handel zuständige Wirtschaftsorganisation, und die bekannten Großbetriebe wurden in "volkseigene" Betriebe übergeführt. Während im Westen Pelzfelle im Rahden der bestehenden Preisverordungen frei gehandelt werden dürfen, unterliegen in der Ostzone alle Vorräte und neu anfallenden Felle einer strengen Bewirtschaftung, Jim im Interesse des Devisenerlöses für den Export eingesetzt zu werden. Der deutsche Inlandshandel wird nur durch gelegentliche Freigaben vor dem schnellen Absterben bewahrt. Die Ungewißheit einer künftigen Entwicklung hat viele der früher im Osten ansässigen Betriebe veranlaßt, in die Westzonen abzuwandern. Darunter befinden sich Veredlungsbetriebe von Weltruf, die in den nach der Besetzung vergangenen drei Jahren unter den schwierigsten Voraussetzungen im Westen neue Veredlungsbetriebe ins Leben gerufen haben, die heute schon vielfach wieder als so leistungsfähig anzusehen sind, daß sie dem internationalen Wettbewerb zu begegnen in der Lage sind.

Das Schwergewicht der neuen deutschen Rauchwarenwirtschaft hat sich auf zwei Plätze der Westzone konzentriert, auf Hamburg und auf Frankfurt a. M., wo auch die Fachorganisationen ihren Sitz aufgeschlagen haben. Die bayerische Rauchwarenwirtschaft ist mit ihrem Fachverband in München ansässig, und alle drei Verbände haben zusammen eine Arbeitsgemeinschaft mit Sitz in Frankfurt a. M. gebildet, um mit dem Verwaltungsamt und der JEIA engen Kontakt pflegen zu können.

Bisher hat sich die Lage der Rauchwarenwirtschaft mangels Anschluß an den Weltmarkt äußerst schwierig gestaltet, da man ausschließlich auf den Anfall heimischer Felle, in erster Linie Kanin, angewiesen war. Edelpelze fallen wenig an, weil die Züchter ihre Zucht nur unter den schwierigsten Voraussetzungen durchführen können und die Felle zu Kompensationen im Interesse der Erhaltung ihrer Betriebe benutzen müssen. Auch die bestehenden Preisvorschriften für Edelfelle sind einem freien Handel abträglich. Wichtige Pelzsorten bleiben der Ledergewinnung vorbehalten, so daß Freigaben von z. B. Kalb- und Fohlenfellen nur dann erfolgen, wenn das Vorliegen fester Exportaufträge nachgewiesen werden kann.

Inzwischen sind auf der im vorigen Jahr durchgeführten Exportmesse in Hannover und der diesjährigen Exportmesse in Wiesbaden bereits von der JEIA bestätigte Exportveredlungsaufträge hereingenommen worden, und mit der Beteiligung deutscher Rauch warenfirmen an der im März durchgeführten internationalen Pelz- und Ledermesse in Basel beginnt Deutschland langsam wieder auf dem Weltmarkt in Erscheinung zu treten. Unterstützt wird diese Tendenz durch einen Kredit, den die JEIA der Rauchwarenwirtschaft in Verbindung mit der Baseler Messe zur Verfügung gestellt hat und womit die Westzone erstmalig wieder als Käufer auf dem Weltmarkt auftreten kann, um auf diese Weise eine Grundlage zu bekommen, ausländische Felle nach der Veredlung zu re-exportieren.

Diese Geschäfte, die bereits auf der Baseler Messe zu Abschlüssen geführt haben, bleiben zwar zunächst auf einen begrenzten Kreis von zugelassenen deutschen Firmen beschränkt, doch ist zu hoffen, daß die Militärregierungen sich zu einer Ausdehnung entschließen, sobald praktische Ergebnisse vorliegen.

Wurde auf der Baseler Messe. erstmalig wieder eine deutsche Beteiligung an einer Auslandsmesse überhaupt gestattet (eine Beschickung auch der Mailänder "Messe ist inzwischen erfolgt), so darf die vorjährige Messe in Hannover für sich in Anspruch nehmen, ihrerseits erstmalig den Weg des ausländischen Rauchwarenhändlers in die Westzone gebahnt zu haben. Dieser neue Kontakt mit dem Weltmarkt soll auch auf der jetzigen Messe in Hannover konsequent weiter gepflegt und intensiviert werden, zumal sich hier zum erstenmal die Rauchwarenfirmen der britischen und der US-Zone zu einer gemeinsamen Exportausstellung eines Teiles ihrer Betriebe zusammengefunden haben. Die Messe bietet dem ausländischen Besucher daher eine ausgezeichnete Gelegenheit, sich über den Stand der Rauchwarenwirtschaft in der Bizone zu orientieren; Viele bekannte Firmen, deren Name ihm noch von Leipzig her, bekannt sein werden, stellen ihre Erzeugnisse aus.

Von Besonderem Interesse dürfte die Ausstellung fertiger Pelzbekleidung sein, da die deutschen Verarbeiter in der modischen Gestaltung ihrer. Modelle den Anschluß an die internationale Modeentwicklung keinenfalls. vernachlässigt haben und Spezialitäten bringen, die für den ausländischen Abnehmer sicherlich von Interesse sein werden.