Von Friedrich Podszus

Friedrich Podszus, geboren in Königsberg, lebt gegenwärtig bei München. Buchveröffentlichungen: ‚Der Frühling (1943 in "Jahreszeiten" bei Wolf gang Krüger), ‚Der Freund der Erde‘ (Gedichte 1946), ‚Kinderszenen‘ (Prosa 1947); Verlag Karl Alber, München,

Der Krach begann damit, daß Hermann nichts gesagt hatte. Ich hätte es bezeugen können. Wie ich, saß auch er mit dem Rücken zurScheune; vor uns fiel die Wiese leicht gegen das kleine; dürftige Nachbargehöft ab. Etwas seitlich von der in der Sonne blendend weißen Hausmauer wies der Zugbalken eines Brunnens in den Himmel. – Wir waren eine kleine versprengte Abteilung, die sich seit Tagen, wie man es nannte; vom Feinde absetzte. Wir spotteten unserer selbst und machten unsere Galgenwitze. Und dennoch immer wieder die Frage: Was nun?

Gegen Mittag mußte das Dorf von der Bevölkerung geräumt werden. Wohin der stumme, traurige Zug der Wagen mit Frauen, Kindern und allenfalls Greisen – ein allzu häufiger Anblick und dennoch schwer zu ertragen – ging, niemand hätte es verraten können. Wir wußten, doch: Hinter uns, vor uns Gegner. Verstörte Menschen, die gingen, schmatzende Soldaten, die blieben. Der Koch hatte sich angestrengt. Ein feistes Ferkel war in den Kessel gewandert, weder Gewürze waren gescheut, noch Nudeln gespart worden. Die Suppe fuhr, wie Breitner bemerkte, "durch; Mark und Knochen", und da er es verkündete, er, der jede Minute des Tages auf Vorbeugungsmaßnahmen gegen eine Hungersnot bedacht war, mußte es stimmen. Es stimmte auch, denn die halbnackten Männer räkelten sich wie beurlaubte Schlaraffen, trifft wie abgehetzte, erschöpfte Kämpfer. Für einige Augenblicke schien die Geißel der Unruhe nicht mehr über ihren immer leerer werdenden Köpfen zu kreisen. Was kaum zu glauben war, auch die Pein kannte Pausen. So empfanden wir es, Hermann und ich, und die Mittagsstille wurde von Minute zu Minute tröstlicher, bis dann Breitner das Zeichen zur "Aktion", gab. Als sie beendet war, diesmal hatte sie gar nicht lange gedauert, kaum eine Viertelstunde, stand plötzlich Breitner vor Hermann, und der Lärm begann.

"Sagtest du etwas?" Hermann hatte sich schon vorher, als Breitner mit seinem Haufen die Wiese hinuntergerannt war, erhoben. Und jetzt antwortete er nur bestimmt und klar: "Nein!"

"Nein? Meintest du vielleicht was? Herr, Spritzenmeister, du falscher Heiliger? Brauchst mich nicht so anzustarren, du zimperlicher Mucker!" Die Kanonade der Schimpfwörter wollte nicht enden, bisschließlich einer der Wiederkäuer, der in der Nähe lag, sich vom Rasen aufrichtete und mit müdem Humor und einem angekratzten Rest von gutem Willen meinte: "Mann, Mann, auch die Feuerwehr hat ihr Gutes."

"Hast du gesehen, was der Schweinekerl soeben getan hat?", donnerte Breitner ihn an. "Meinst du, ich ließe mir so was bieten?"