Staatsoper Hamburg

Carmen" gehört zu jenen Standard-Opern, die so sehr Wertmesser der ausführenden Kräfte sind, daß man mühelos Können und Versagen abzulesen vermag. – Franz Konwitschny kam aus Hannover, die Hamburger Neuinszenierung musikalisch zu leiten. Ihm liegt das Dramatische; sein Orchester ist schwelende und entfachte Glut, verhaltene und ausbrechende Kraft. (Aber Schmidt-Isserstedt – ein Vergleich, der Konwitschnys großartige Leistung nicht schmälern soll – hat neulich in einer Rundfunk-Konzertaufführung der Bizet-Oper obendrein noch die schwebende, flirrende Geschmeidigkeit der Partitur betont und die sonst leicht verwischt erscheinenden Konturen der Stimmenführung messerscharf herausgearbeitet.) Alfred Noller war der Regisseur, dem es mit Hilfe des Bühnenbildners Koniarsky gelang, auf dem kleinen Raum der Notbühne den prächtigen Faltenwurf der großen Oper aufleuchten zu lassen. Martha Mödl und Rudolf Schock waren als Carmen und Don José so vorbildlich im Spiel wie im Gesang. Es war ein erregender Schwung, der Ensemble, Chor und das von Max Aust einstudierte Ballett beherrschte. Eine "Carmen"-Aufführung, die, wenn sie auch ein wenig robust war, aus dem vollen schöpfte. J. Marein