Das Buch Adolf Webers, "Die neue Weltwirtschaft", trägt den Untertitel "Was jeder davon wissen muß". Die Idee des Werkes ist nicht neu. Die erste Auflage erschien bereits 1932. Schon damals entwickelte der Idealsozialist Weber auf Grund wissenschaftlicher und praktischer Erfahrung die gleichen Grunderkenntnisse, die er jetzt in der zweiten Auflage wiederholt (Verlag Richard Pflaum, München 2).

Zuerst führt Weber in leicht faßlicher Weise, die auf den wissenschaftlich nicht vorgebildeten Leser zugeschnitten ist, in den Bereich der Weltwirtschaft ein, ohne dabei zu vergessen, dem Unvorbereiteten die vielen Fremdworte zu erklären, die in der Wirtschaft üblich sind. Jedem Glied in der großen Kette weist er die ihm typischen Aufgaben zu.

Dann geht er auf den Handel der Welt ein. Webers Beweisführung, daß eine freie Weltwirtschaft ohne politische Barrieren und ohne Handelsschranken zum Wohle aller die beste Lösung ist, wirkt überzeugend. Aber er verliert sich dabei nicht in eine idealisierende Utopie. Er kennt die Schwierigkeiten, die einem freien Welthandel entgegenstehen, und weiß, sie zu schildern und zu erklären. So stellt Weber sich das Problem, warum die Welt vom multilateralen Verkehr abgewichen ist und kommt zu der Schlußfolgerung, daß seit 1914 die verantwortlichen Wirtschaftler und Politiker nationale Augenblickserfolge über das Gedeihen auf lange Sicht gestellt haben. Seine Kritik ist sehr entschieden, aber wissenschaftlich fundiert. Dabei ist diese Kritik nicht Selbstzweck. Er bemängelt das Vergangene nur, um alle, die es angeht, vor ähnlichen Fehlern in Gegenwart und Zukunft zu bewahren.

Das Buch wurde abgeschlossen, bevor Marshalls Versuch, Europa, wieder in die Weltwirtschaft einzugliedern, effektiv wurde. Aber von Webers Schlußfolgerungen zum Marshall-Plan ist nur ein Schritt.

Wo Licht ist, ist auch Schatten, und daher muß gesagt werden, daß man sich über das Kapitel, in dem Weber sich mit der Geldwirtschaft befaßt, zumindest streiten kann. Er ist der Ansicht, daß das Gold wieder in seine ehedem führende Rolle eingesetzt werden müsse, um die Geldwirtschaft der Welt wieder in Ordnung zu bringen. Weber scheint seine Forderungen hier allzu ideel-wissenschaftlich gesehen zu haben, denn wir glauben daß, aus der verworrenen Situation der Wirtschaftsnationalismen betrachtet, das Gold in absehbarer Zeit nicht wieder in seine alten Rechte eingesetzt werden kann. Andere Wertmaßstäbe haben es bereits verdrängt.

"Die neue Weltwirtschaft" ist aus der Praxis für die Praxis geschrieben. Es ist. daher zu bedauern, daß nur wenige Praktiker und solche, die es werden wollen, sich mit dem Buch vertraut machen können; denn die geringe Auflage von 5000 Exemplaren wird wohl kaum sämtliche interessierten Abgeordneten und sonstige Mitglieder politischer und wirtschaftlicher Gremien erreichen. Aber alle, die sich die Aufgabe gestellt haben, Deutschland, das nur im Rahmen der Weltwirtschaft gedeihen kann, wieder lebenskräftig zu machen, sollten dieses "Buch der Grundsätze" lesen. W-n.