Als die Aussichten für die Wiederaufnahme des deutschen Fertigwarenexports im Jahre 1946 in ein konkretes Stadium gerückt waren, wurden von den verantwortlichen Wirtschaftskreisen der Schmuckwarenindustrie – alle zur Ingangsetzung der Ausfuhr erforderlichen Maßnahmen ergriffen. Man war sich allerdings darüber im klaren, daß gerade für die Schmuckwarenindustrie zunächst noch unüberwindlich erscheinende Hindernisse im Wege standen. Der Mittelpunkt dieser Industrie, die Stadt Pforzheim, war in einem Umfang zerstört, das zu jenem Zeitpunkt noch keinen Überblick über die Produktions- und Exportmöglichkeiten zuließ. Die Bestände an Rohmaterialien einschließlich der nicht mehr zu beschaffenden Edelmetalle waren dezimiert.

Trotz dieser Schwierigkeiten konnten die ersten Exportkontrakte abgeschlossen werden, als im Mai 1947 Umrechnungskurse für den Export von Schmuckwaren festgesetzt wurden. Die JEIA hatte eine beachtliche Menge Feinsilber für die Verarbeitung in der Exportproduktion freigegeben, so daß sich das beginnende Geschäft begreiflicherweise auf die Ausfuhr von Silberwaren konzentrierte. Schmuckwaren aus Gold konnten bis vor kurzem nur in dem Maße exportiert werden, in dem die ausländischen Käufer in der Lage und willens waren,-das erforderliche Gold zur Veredelung anzuliefern. Diese – Möglichkeit bestand praktisch nur im Verkehr mit der Schweiz. Alle anderen europäischen Länder hatten entsprechende Aufuhrverbote für Edelmetalle erlassen.

Seit Mai 1947 wurden von Firmen der Schmuckwarenindustrie in Württemberg-Baden Exportköntrakte im Gesamtwert von nahezu einer Million Dollar abgeschlossen. – Ein großer Teil dieser Waren ist inzwischen ausgeliefert. Hierunter fallen in der Hauptsache folgende Erzeugnisse: Schmuckwaren aller Art aus Gold, Silber, Walzgolddouble und unechten Metallen; Bestecke, Tafelgeräte aus Silber und in versilberter Ausführung. Außerdem Taschengebrauchsartikel wie Füllhalter, Drehbleistifte und Vierfarbstifte, mit echten und unechten Metallüberzügen, Zigarettenetuis,. Puderdosen, Zigarren-und Zigarettenspitzen.

Das bis heute noch in seinen Gründzügen gültige Außenhandelsverfahren wirkte sich von Anfang an auf die Exporttätigkeit der Schmuckwarenindustrie besonders hemmend aus. Wenn man sich Vor Augen hält, daß von den Aufträgen in Höhe von etwa 30–40 Mill. RM, dieallein von der Pforzheimer Schmuckwarenindustrie als jährlicher Exporterlös eingebracht wurden, der größte Teil sich aus Klein- und Kleinstbestellungen rekrutierte, so wird man verstehen, welches Erschwernis das heutige Exportverfahren mit seinen umständlichen Einzelgenehmigungen für diese Industrie bedeutet. Für eine derartig, typische Exportindustrie, deren Stärke in vergangenen Zeiten gerade in ihrer Einstellung auf Mode und Geschmack in der ganzen Welt gelegen hat und deren Tradition es war, jede noch so geringfügige Nachbestellung nach individuellen Wünschen auszuführen, müssen Vorschriften wie die der Vorgenehmigung einzelner Geschäfte oder des Akkreditivzwanges erhebliche Nachteile hinsichtlich ihrer Entwicklungsfähigkeit in sich bergen.

Als Abnehmerländer stehen immer noch die Schweiz, USA und Südafrika an der Spitze. Die vorläufig noch sehr enge Begrenzung des Absatzmarktes ist auf zwei entscheidende Gründe zurückzuführen: Das – bisherige Fehlen echter Warenaustauschabkommen und die allgemeine Dollarknappheit haben mit wenigen Ausnahmen alle Länder, veranlaßt, die Einfuhr von Luxuserzeugnissen zu sperren. Wegen des Mangels an Gold als Rohstoff war die Ausfuhr von Golderzeugnissen auch nach, solchen Überseeländern unmöglich, die theoretisch in der Lage gewesen wären, Edelmetalle nach ’Deutschland anzuliefern. Denn die Umständlichkeit des Verfahrens und das mit dem Transport .verbundene Risiko haben Interessenten in Übersee bisher von diesem Weg zurückgehalten.

Vor wenigen Wochen hat die JEIA eine gewisse Menge Feingold für die Exportproduktion zur Verfügung gestellt. Somit können jetzt Erzeugnisse der Schmuckwarenindustrie auch aus Gold und Walzgolddoublé nach allen Ländern geliefert werden, in denen die erwähnten Einfuhrbeschränkungen nicht bestehen. Daher darf eine Belebung des Schmuckwarenexports von dieser Seite her erwartet werden. PF.