Ein englisches. Blatt warnte kürzlich davor, ausländische Luxuswaren einzuführen. Es hätte doch keinen Sinn, so hieß es etwa, daß sich im Zeichen der Devisenknappheit, die Länder gegenseitig ihre Luxusprodukte abkauften, während. man für den eigenen Verbrauch diese Luxusartikel nicht mehr produzieren könne.

Der akute Anlaß waren Bemühungen, die englischen Forderungen an Frankreich dadurch zu vermindern, daß französische Seidenwaren, Kosmetika und andere nicht gerade zu den Lebensnotwendigkeiten gehörende Artikel eingeführt werden sollten. Sicherlich braucht England überseeische Nahrungsmittel und Rohstoffe dringender als französische Lippenstifte. Doch dies ist ja nicht die Alternative, um die es bei dieser grundsätzlichen (und keineswegs nur in England vielerörterten) Frage geht. Die Alternative wäre vielmehr in diesem Falle eine Verkürzung der englischen Exporte nach Frankreich, mit entsprechenden Rückwirkungen auf die englische Produktion. Denn langfristige Exportkredite vermag England ebensowenig wie die meisten europäischen Länder heute zu gewähren.

Das auf den ersten Blick sehr einleuchtende Argument gegen den Luxus ist in Wirklichkeit sehr, gefährlich. Jedes Land hat schließlich seine Luxusausfuhr. Man denke nur an den spöttischen Whisky, auf den die Briten heute zugunsten der Amerikaner verzichten müssen. Sie empfinden dies mit Recht als sehr betrüblich. Der Rum, der ihnen als Ersatz für den Whisky eingeschenkt wird, brennt ihnen auf der traditionell feinschmeckerischen Zunge. Aber.-die englische Regierung besteht mit Recht auf dem "unabdingbaren" Zwang aus der Dollarknappheit, der den Verzicht auf den Whisky zur Sicherung: der englischen lebensnotwendigen Einfuhr aus Dollarländern erfordert. Was wäre, wenn plötzlich die Dollarländer auf den Whisky, auf Qualitätstextilien, auf Wedgewood und manchen anderen "Luxus" verzichten würden? Sicherlich würden dann, die lebensnotwendigen englischen Einfuhren zurückgehen, und es wäre fraglich, ob man den Whisky und den Tweed für den Inlandsverbrauchei freigeben würde.

Deutschland hat schon vor sehr viel längerer Zeit als England dem eigenen Luxuskonsum valet sagen müssen. Aber der Luxus Export bleibt deshalb doch eine Lebensnotwendigkeit. Solange sich andere, Länder in Nord- und Südamerika den Luxus von Rosenthaler Porzellan, hochwertigen Kleinkameras und teuren’ Lederwaren leisten können und selbst Dollars dafür aufzuwenden bereit sind, kann dies den hochentwickelten europäischen Industrieländern doch nur recht sein. Und wenn in zweiseitigen Handelsabkommen das Gleichgewicht dadurch hergestellt wird, daß ein paar Lippenstifte oder einige Handtaschen in die Waagschale geworfen werden, erscheint auch dies nicht die schlechteste Lösung, wenn man. sonst einer weiteren Schrumpfung des Handels zwischen zwei Ländern zusehen müßte. Und schließlich: solange Luxuswaren – und sei es auch nur für den Export – hergestellt werden, verbleibt doch der kleine Hoffnungsschimmer, daß dermaleinst, wenn es uns allen wieder besser geht, nicht nur ein wenig Luxus aus dem Ausland hereinkommen wird, sondern sogar der im eigenen Lande erzeugte Luxus für die Bevölkerung wieder käuflich sein wird! eg.