"The dependence of Europe on Germansupplies and on Germany as market overrides the difficulties of fair competition." (Aus einer Erklärung der "Federation of British Industries" vom Herbst 1947.)

Es ist sehr erfreulich, am Vorabend der Exportmesse in Hannover günstige Nachrichten über eine der wichtigsten Ausfuhrvoraussetzungen, – über erhöhte Einfuhren, verzeichnen zu können. Denn das von Rohstoffen weitgehend entblößte westliche Deutschland braucht dieses Material zur Produktion: Im vergangenen Jahr kamen diese Rohstoffe nur tropfenweise herein; jetzt ist immerhin von größeren Abschlüssen die Rede. In den ersten vier Monaten 1948 hat die JEIA Verträge über die Einfuhren von Rohstoffen und Fertigwaren im Werte von 222,5 Mill. $ abgeschlossen. Die Abkommen mit Schweden und England fallen dabei Besonders ins Gewicht; doch darf man darüber zahlreiche Einzelabsprachen mit den verschiedensten Ländern nicht vergessen.

Die Bezahlung dieser Einfuhren wird hauptsächlich aus Exporten zu erfolgen haben, wobei gleichfalls erfreuliche Fortschritte vorliegen: der Schweden vertrag mit einem angestrebten Jahresumsatz von 75 Mill. $, die soeben mit England getroffene Abrede über einen Austausch in Höhe von 160 Mill. $ und eine Liste von gerade begonnenen oder unmittelbar bevorstehenden Han-> delsbesprechungen mit Dänemark, der Schweiz, mit Norwegen, Italien, Belgien und Indien.

Ohne beträchtliche Sorgen geht es dabei nicht ab. So ist bisher nur in einem Falle – bei den Zitronen aus Italien, – das alliierte Prinzip durchbrochen worden, Nahrungsmitteleinfuhren nach Westdeutschland aus dem Rahmen der "normalen" Handelsbesprechungen auszuschließen, weil die Ernährungszuschüsse für Westdeutschland ausschließlich aus dem besonderen, hauptsächlich amerikanischen Fonds bestritten werden sollen. Aus den Schwedischen Fischen im Austausch für weitere deutsche Exporte ist daher nichts geworden. Die Zustimmungder JEIA zumGemüsevertrag mit Holland über 200 000 t ist von den Militärregierungen nicht bestätigt worden. Die dänische Delegation trägt gegenwärtigin Frankfurt gleichartige Nöte vor.

Die Dollarklausel ist ein weiteres Bleigewicht, das aus dem deutschen Export das "Wasser", sprich: die "entbehrlicheren Güter", herauspreßt. Der deutsch-englische Handel hat sehr wesentlich unter dem Druck des Konvertierungszwanges zu leiden. In den englisch-amerikanischen Abmachungen vom Dezember 1947 über die Aufteilung der Dollarbereitstellungen für die Doppelzone wurde festgelegt, daß England bis zu einem Betrage von 40 Mill. $ verpflichtet sei, Pfundguthaben aus deutschen Exporten an Sterlingländer in Dollar zu konvertieren, falls die Dollarfonds der Doppelzone unter 20 Mill. $ fallen.

Praktisch ist dadurch die Doppelzone auch für England, seine Kolonien und für die Dominienzum Hartwährungsland geworden – und das bringt eine entsprechende Zurückhaltung gegenüber deutschen Exportgütern, vor allem aber bei Fertigwaren, mit sich. Den sehr sorgfältigen. Bemühungen um die neue Vereinbarung über den deutsch-englischen Warenaustausch wäre sicherlich noch größerer Erfolgbeschieden gewesen, wenn man nicht so strikt aufeinen ausgeglichenen Warentausch hätte achten müssen. Bedenkt man, daß 1947 die Ausfuhren der Doppelzone nach England bereits 55 Mill. $, die Einfuhren von dort 48 Mill. $ betrugen, so ließe sich angesichts der allgemein angestrebten Exportsteigerung in diesem Jahre sicherlich eine stärkere Aus-, weitung vorstellen, wobei allerdings von deutscher Seite das Schwergewicht / auf Fertigwaren gelegt werden müßte.

Angesichts dieser und anderer Hemmnisse für den deutschen Außenhandel, die ihn von einer Gleichberechtigung im internationalen Wettbewerb noch weit entfernt halten, muß es gelinde gesagt erstaunen, daß trotzdem kürzlich von prominenter englischer Seite zum "Kampf" gegen den deutschen Export aufgerufen worden ist. Die bedeutende britische Industrieorganisation, die Federation of British Industries, hat der deutsch- – Exportwirtschaft die Unterbietung britischer Angeböte in Kanada, Südafrika, Holland und Schweden vorgeworfen, durch einen Aktionsausschuß Maßnahmen gegen die Erweiterung des deutschen Außenhandels angekündigt und zu diesem Zweck sogar einen Kampffonds gegründet.