Die staatlichen Aufgaben auf dem Gebiet der Informationstätigkeit für den Außenhandel werden ganz allgemein darin gesehen, den am Export interessierten Industrie- und Handelsunternehmungen beratend beizustehen, um sie auf neue Absatzmöglichkeiten aufmerksam zu machen und ihnen bei der Durchführung von Exportgeschäften eine Hilfsstellung zu geben. Zunächst wurden mit dieser Aufgabe die konsularischen Vertretungen beauftragt, und es ist bekannt, in wie vorbildlicher Weise die diplomatischen und konsularischen Vertreter Großbritanniens den an sie auf diesem Gebiet gestellten Aufgaben gerecht wurden. Im Ausbildungsgang des diplomatischen und konsularischen Nachwuchses wurde in Großbritannien von jeher ein besonderes Gewicht darauf gelegt, daß die jungen Sekretäre sich zunächst eingehend mit den Außenhandelsbelangen der heimischen Wirtschaft befaßten, und es ist bezeichnend für diese Einstellung, daß die Entsendung besonderer Handelskommissare des britischen Außenhandelsamtes ins Ausland auf den Widerstand gewisser englischer Kreise stieß, die darin eine Gefahr für die künftige "Handelsorientiertheit" ihrer diplomatischen und konsularischen Außenvertreter erblickten. Darauf, daß im früheren deutschen diplomatischen und konsularischen Dienst die Befassung mit Handelsangelegenheiten vielfach als eine Sache von untergeordneter Bedeutung angesehen wurde, ist zum großen Teil die Kritik zurückzuführen, der in deutschen Handelskreisen die Berichterstattung unserer Konsulate und Gesandtschaften so häufig ausgesetzt war.

Im Zusammenhang mit dem im Zuge der Industrialisierung anwachsenden Bedürfnis nach möglichst genauer Informierung über die Absatz-Gelegenheiten im Ausland stellte sich alsbald der Wunsch und die Notwendigkeit für die großen Industriestaaten ein, zentrale Stellen für die Außenhandelsförderung zu errichten, deren markanteste Vertreter das amerikanische Department of Commerce in Washington und das Department of Overseas Trade in London waren. Die umfangreichen Länder- und Spezialfach-Unter-Buchungen dieser beiden großen nationalen Außenhandelsämter waren für viele ausfuhrorientierte Betriebe höchst bedeutungsvoll, und die mündliche und schriftliche Auskunftserteilung der im Inland und an ausländischen Stützpunkten stationierten Beamten hat den Abschluß manchen Geschäfts ermöglicht.

Betrachtet man den Wert dieser nationalen Außenhandelsämter nach der Beurteilung, die sie seitens der Wirtschaft erfahren, so ist ganz allgemein festzuhalten, daß sie von der amerikanischen Wirtschaft als eine für den Außenhandel unerläßliche Einrichtung angesehen wurden, während sie in den stärker traditionsgebundenen europäischen Industriestaaten gewissen Angriffen ausgesetzt waren. Hier befürchteten die am Außenhandel beteiligten Kreise von der staatlichen Informationstätigkeit eine unerwünschte Förderung solcher Betriebe, die sich bisher am Außenhandelsgeschäft noch nicht beteiligt hatten. Dennoch hat sich die Außenhandelsförderung mittels zentraler Außenhandelsämter auch in europäischen Industriestaaten durchsetzen können.

So hat die neu geschaffene zentrale Außenhandelsstelle der USA (Office of International Trade) Aufgaben erhalten, die den bisherigen Rahmen der Nachrichtenbeschaffung und -vermittlung weit überschreiten, indem diese Stelle zugleich die Exportkontrolle durchführt und maßgebend an der Planung der Rohstoffverteilung am Weltmarkt eingeschaltet ist. Eine dahingehende Entwicklung setzte bereits nach Eintritt der USA in den zweiten Weltkrieg ein, als sie sich unter Roosevelt von einer Nachrichtenstelle über Absatzmöglichkeiten im Ausland zu einem kontrollierenden und "aussiebenden" Organ der amerikanischen Exportwirtschaft entwickelte.

Großbritannien hat sein Außenhandelsamt nach dem zweiten Weltkrieg als selbständige Einrichtung aufgelöst, indem es diese Stelle in das Board of Trade einbaute, wo sie ihre Tätigkeit in einer besonderen Abteilung, dem Export Promotion Department, weiterführt. Gleichzeitig wurde ihr Arbeitsgebiet auf die allgemeine Länderberichterstattung beschränkt. Für die Durchführung von Fachuntersuchungen für die einzelnen englischen Industriezweige wurde eine eigene Organisation, die British Export Trade Research Organisation (BETRO) geschaffen – eine Organisation, die auf der Grundlage einer Vereinigung von Industrie- und Handelsunternehmungen mit .staatlicher finanzieller Unterstützung ins Leben gerufen wurde. An die Marktforschungstätigkeit der BETRO werden für die Erschließung neuer Absatzgelegenheiten für englische Waren große Erwartungen gestellt.

Ein wesentliches Moment für den Erfolg der nationalen Außenhandelsämter ist darin zu sehen, inwieweit diese mit der heimischen Exportwirtschaft in Kontakt treten. Ein solcher Kontakt besteht seitens des amerikanischen Amtes und wird angestrebt seitens der BETRO. Mit Recht haben die deutschen Konsulate vor dem Krieg Klage einmal darüber geführt, über die heimischen Bedürfnisse nur ungenügend informiert zu sein, and dann, über die erfolgte Berichterstattung so gut wie kein Echo zu erhalten. Zieht man dann noch in Betracht, daß der deutsche Konsul in erster Linie eine juristische und keine kaufmännische Ausbildung erfahren hatte, so ist leicht einzusehen, daß bei diesem Mangel an Kontakt zur Exportwirtschaft seine Berichterstattung an Wert verlieren mußte.

Über gut durchgebildete Organisationen zur Förderung des Außenhandels mittels Marktinformationen verfügen sodann die Schweiz und Schweden. In der Schweiz wird diese-Tätigkeit von der Zentrale für Handelsförderung (Zürich- und Lausanne) ausgeübt, einer Einrichtung, die ursprünglich als privater Verein gegründet wurde, durch wachsende Bundesbeiträge aber als mehr oder weniger staatliche Einrichtung angesehen werden darf. Die Tätigkeit dieser Stelle, die sich auf eigene Handelsagenturen im Ausland stützt, bedeutet für die Schweizer Exportwirtschaft eine wichtige Einrichtung. Die Handelsagenturen übernehmen in erster Linie Aufgaben, die von den Schweizer Gesandtschaften und Konsulaten nur schwer oder nicht erfüllt werden können. Hierbei, arbeiten die Agenturen auf das engste mit den Schweizer Auslandsmissionen zusammen.