Von Hellmut Holthaus

Auf einem Gehöft abseits der Dorfstraße, nahe am Waldrand, kam das Geflügelvolk zusammen, um seine Angelegenheiten zu beraten, Futtersuche, Zuteilungen durch den Menschen, Rechtsfragen zwischen Enten und Gänsen und dergleichen.

"Sicherheit zuerst", rief ein Huhn. "Ich bin so ziemlich mit allem einverstanden, aber in diesem Punkte gebe ich nicht nach. Seht mich nur an!" – Wirklich bot es einen beklagenswerten Anblick. Es hinkte, und der linke Flügel war abgerupft bis auf die Knochen, das nackte Gerippe schaute heraus. "Das hat der Fuchs getan", schrie das Huhn. "Gegen ihn müssen wir zusammenstehen. Meine Mutter ist zwischen seinen Zähnen gestorben, meiner Großmutter raubte das Untier zwei Kinder, und ich selbst ..."

"Aber der Sohn des Bauern", sagte eine Gans bedächtig, "hat doch mit seinem Knüppel den Fuchs zusammengeschlagen, als er dich überfiel. Der kommt so leicht nicht wieder, ich habe selbst gesehen, wie er sich heulend und schwerverwundet in den Wald schleppte."

"Traut ihm nicht", rief das Hohn, "er tut nur so, unverbesserlich ist er, durch und durch verdorben. Meine Familie hat ihre Erfahrungen."

Die anderen Hühner nickten Beifall, und die Hennen kamen mit ihren Küken herbei, um sich belehren zu lassen. – "Der Feind", sagte das Huhn, "sieht ähnlich aus wie ein Hund, aber er ist von rostig gelber Farbe, nur die Ohren sind schwarz, und er hat einen langen, buschigen Schwanz. Das ist der Fuchs, vor dem müßt ihr euch hüten."

Indem es noch sprach und alle Hühner die Köpfe dem Waldrand zuwandten, von wo der Fuchs zu kommen pflegte, stieß aus der Luft ein Habicht herab, packte ein junges Hähnchen mit seinen Krallen und flog wieder auf, sein Opfer mit sich davontragend...