Warum wird kein Fett eingeführt? lautete die Frage aller Deutschen, als an der Jahreswende die Fettration auf ein kaum mehr wahrnehmbares Minimum gesunken war. Eine Broschüre des angelsächsischen Zweizonenkontrollamtes "Ums tägliche Brot" beantwortete damals einleuchtend und ausführlich diese Frage. Inzwischen ist wider Erwarten die Einfuhr von 120 000 t Fett fest zugesagt worden und diejenigen, die damals jene Ausführungen studierten, fragen. sich, wieso ist eine Fetteinfuhr nun plötzlich doch möglich?

Die Antwort, die die Broschüre auf die erste Frage gab, lautete: die Verteilung der Lebensmittel unterliegt heute einem internationalen Gremium, dem sogenannten "International Emergency Food Council" (Welternährungsrat), der dafür sorgt, daß die Mangelware gerecht verteilt wird. Man könnte es auch so ausdrücken, daß eine internationale Sozialisierung der Nahrungsmittel stattfindet. Dies hat zur Folge, daß die Länder, die früher reichlich versorgt würden, sich Abstriche zugunsten der ärmeren gefallen lassen müssen. Es kommt ferner hinzu, daß im Laufe der letzten Jahre eine internationale Vermögensumschichtung stattgefunden hat, insofern nämlich, als die großen Rohstoffländer sich in steigendem Während sie früher genötigt waren, unter Einschränkung des eigenen Bedarfs möglichst viel zu exportieren, um dafür industrielle Erzeugnisse einzutauschen; sind sie heute in der Lage, zunächst einmal die eigene stets zu kurz gekommene Nachfrage zu befriedigen. Dies die Gründe, die, ganz abgesehen von dem allgemeinen Produktionsrückgang, der besonders in den großen Ausfuhrländern Ostasiens eingetreten ist, die Schwierigkeit der Fettversorgung bedingen. Diese Schilderung charakterisiert die Weltversorgungslage in zweifellos zutreffender Weise. Für die einzelnen Bedarfsländer bleibt dabei lediglich die Frage, welche Dringlichkeitsstufe sie in der Schlange der anstehenden bedürftigen Nationen zugewiesen bekommen, und eben dies ist keine – wirtschaftliche, sondern eine politische Frage. Im

Falle Deutschlands bedeutet dies, daß, je nachdem mit wieviel Nachdruck es der Militärregierung geboten erscheint, für die Versorgungsnöte Deutschlands einzutreten, mehr oder weniger Aussicht auf Erfolg besteht – mindestens scheint uns dies die Entwicklung der Fettversorgung zu lehren.

So ist es denn verständlich, wenn in Deutschland immer wieder die Meinung vertreten, wird, wir würden in der Lage sein, eine wesentlich bessere Versorgung zu erreichen, wenn wir selber Handelsverträge abzuschließen berechtigt wären; denn zweifellos meldet kein Land seine mutmaßlichen Überschüsse restlos beim Welternährungsrat zur Verteilung an, dem überdies große Gebiete wie Rußland und Argentinien überhaupt nicht angeschlossen sind. Allein schon durch die Tatsache der Wiederaufnahme persönlicher Geschäftsbeziehungen, durch den Einsatz alter Erfahrungen und genauer Sachkenntnis der deutschen Wirtschaftszusammenhänge könnte vermutlich vieles gebessert werden –

Wie außerordentlich wichtig gerade die genaue Kenntnis der wirtschaftlichen Möglichkeiten und Erfordernisse ist oder vielmehr wäre, wird deutlich, wenn man einmal die Pläne des Ausschusses.

für europäische Zusammenarbeit, soweit sie die Landwirtschaft betreffen, studiert. Neben den 16 Marshall-Ländern waren die drei Westzonen dort durch ihre Militärregierungen vertreten. Die Untersuchungen gingen aus von den Jahren 1934/38 und versuchten auf Grund der Produktions- und Bedarfsangaben der einzelnen Länder die Entwicklung bis zum Jahre 1950/51 aufzuzeigen. Wie einschneidend der Unterschied war zwischen den Ländern, die ihre eigene Interessenvertretung dort hatten und den durch die Militärregierungen vertretenen Westzonen, geht deutlich aus einem Vergleich zwischen Frankreich und Deutschland hervor. Nach diesem Plan ist, wenn der Durchschnitt der Jahre 1934/38 als Basis gleich 100 gesetzt wird, bis 1950/51 folgende landwirtschaftliche Entwicklung in bezug auf Anbaufläche und Viehbestand

Sämtliche Zahlen für die Ackerfrüchte zeigen also bei den französischen Angaben äußerste Vorsicht und Zurückhaltung, für Deutschland hingegen einen höchst ungerechtfertigt erscheinenden Optimismus. Es liegt vor allem die Frage nahe, wie eine derartige Steigerung der Hackfrüchte – bei der Zuckerrübenernte wird mit einer Produktion von 160 v. H. des Vorkriegsdurchschnitts gerechnet – bei einem weit unter dem Normalmaß liegenden Viehbestand eigentlich erreicht werden soll. Ganz zu schweigen von