Die Ausfuhr an Textilien bewegt sich auf ansteigenderLinie: ein Erfolg der im Jahre 1947 unternommenen intensiven Exportbemühungen, der trotz zahlreicher Auftragsstornierungen, Hemmungen bei der Produktion und bürokratischer Schwierigkeiten bei der Hereinnahme und Abwicklung von Aufträgen erreicht werden konnte.

Das Schwergewicht liegt vorläufig ganz eindeutig bei Baumwollerzeugnissen. Die Ausfuhr erreichte bei diesen im 1. Quartal 1948 rund 9,26 Mill. 8, während 1947 im ganzen Jahr nur für 2,53 Mill. $ exportiert wurden. Ohne in die – jetzt manchmal so beliebte (und oft nichtssagende) Prozentrechnerei verfallen zu wollen, muß doch hervorgehoben werden, daß damit in den ersten drei Monaten dieses Jahres ein um mehr als dreieinhalbmal so hohes Ausfuhrergebnis als im ganzen Vorjahr erreicht wurde. – Im Januar und Februar wurden insgesamt für 7,63 Mill. $ Textilien exportiert, das Gesamtergebnis für März steht noch aus.

Die Tatsache, daß sich die Ausfuhr im Februar auf 6,94 Mill. $ belief und sich darunter Wollprodukte nur mit 76 000 $ sowie Erzeugnisse der Kunstfaserindustrie nur mit 45 000 $ befanden, zeigt nicht allein den Vorrang des Baum wollwarenexports, sondern läßt auch den Schluß zu, daß optimistische Erwartungen hinsichtlich einer gleichen Entwicklung für die weiteren Abschnitte dieses Jahres verfrüht wären, weil die Baumwollwarenexporte zu einem erheblichen Teil aus Lieferungen auf Grund der bekannten OMGUS-Kontrakte, die nicht als reguläres deutsches Außenhandelsgeschäft, sondern eher als Lohnarbeit (Veredlungsaufträge) gegen Bezahlung in Rohstoffen anzusehen sind, bestehen.

Auch die in den ersten Monaten dieses Jahres abgeschlossenen neuen Exportkontrakte haben einen erheblichen Umfang, wenn sie, wie die bisher getätigten, auch nur zu einem Teil realisiert werden dürften, zumal sich die Textilindustrie durch Einführung des festen Verrechnungskoeffizienten von 30 Cents einer ganz neuen Situation gegenübersieht. Während im Monatsdurchschnitt des Vorjahres Exportkontrakte über Textilien in Höhe von 3,55 Mill. $ zustande kamen, belief sich ihr Wert im Januar 1948 auf 21,72 Mill. $ und im Februar. auf 16,54 Mill. $ – zusammen also in beiden Monaten auf 38,26 Will. $ gegenüber 42,6 Mill. $ im ganzen Jahr. 1947.

Zu einer entsprechenden Wertung dieser Ziffern kommt man durch zwei Anhaltspunkte: im Jahre 1936 betrug die Ausfuhr der deutschen Textil- und Bekleidungsindustrie weit über 500 Mill. RM (zu den damals sehr viel niedrigeren Preisen!), davon entfielen über 450 Mill. RM auf die Textilindustrie. Die Ausfuhr bestand in der Hauptsache in Geweben und Erzeugnissen der Textilien-Zubehörindustrie. Mehr als die Hälfte stammte aus dem Gebiet der heutigen Doppelzone, knapp ein Drittel der Gesamtausfuhr entfiel auf die Nordzone. Selbst wenn man annimmt, daß die günstigen Ausfuhrzahlen der ersten Monate dieses Jahres beibehalten oder auch noch gesteigert werden können, trennt uns also noch ein sehr erheblicher Abstand von den damaligen Ziffern.

Nun wurde weiter vor kurzem die überraschende Feststellung gemacht, daß bei der Ausfuhr des Landes Nordrhein-Westfalen der Textilexport an erster Stelle rangiert, sieht man von Kohle und Holz ab. Im Jahre 1936 wurden aus Nordrhein-Westfalen für 125 Mill. RM Erzeugnisse der Textil- und Bekleidungsindustrie exportiert oder knapp 84 v. H. der Textilausfuhr der Nordzone, die zu 96 Mill. RM aus Webereierzeugnissen, zu 26 Mill. RM aus solchen der Spinnerei, zu 11 Mill. RM aus Kunstseiden- und Zellwollerzeugnissen und zu 9 Mill. RM aus Artikeln der Textilveredlungsindustrie bestand. Die Textilausfuhr machte jedoch nur 10,9 v. H. der Gesamtausfuhr der Nordrheinprovinz und nur 4,5 v. H. der Gesamtausfuhr Westfalens aus. Mehr als die Hälfte des Exports beider Provinzen bestand in Erzeugnissen der Metallwirtschaft.An zweiter Stelle folgte in der Nordrheinprovinz die chemische und chemisch-technische Industrie, in Westfalen der Bergbau, an dritter in der Nordrheinprovinz der Bergbau und in Westfalen die Ausfuhr der Textil- and Bekleidungsindustrie, die in der Nordrheinprovinz an vierter Stelle stand und sich auf 102 Mill. RM (gegen 485 Mill. RM der Metallwirtschaft) und in Westfalen auf 23 Mill. RM (gegen 62 Mill. RM der Metallwirtschaft) belief.

Heute folgen Eisen- und Stahlhalbfabrikate, Eisenfertigwaren, Maschinen und Apparate, sowie chemische Erzeugnisse bei der Ausfuhr des Landes,. das den Kern der verbliebenen deutschen, Schwerindustrie beherbergt, hinter dem Textilexport: ein Tatbestand, der die ganze Umkehr der Verhältnisse erkennen läßt. So erfreulich daher auch die Entwicklung der Textilausfuhr in den ersten Monaten dieses Jahres sein mag, so kann sie doch niemals den Ausfall unserer metallwirtschaftlichen und chemischen Ausfuhr ersetzen, ganz abgesehen davon, daß der heutige Einfuhrbedarf des Westens nach dem Verlust der Ostgebiete für die Versorgung mit Nahrungsmittelnweit höher als damals ist und eine ausgeglichene Zahlungsbilanz daher nur durch einen entsprechend größeren Export erreicht werden könnte. – oe –