Mit einigen Vorbehalten stellt du Redaktion d en- nachfolgenden Aufsatz von Dr habiL, Harald Rasch zur Diskussion — Vorbehalten sowohl, was seinen kritischen Teil anbelangt, der unf allzu pessimistisch erschein, wie auch, was die zum Schluß vorgebrachtinspositiven. Vorschläge betrifft, dit wohl vielfachen Einwendungen begegnen werden. Irwnerhin; das Thema, muß nun endlieh angeschnitten werden, da ja offenbar beabsichtigt ist, den Rahmen für den Lastenausgleich schon jetzt, mit Bekanntgabe der Bestimmungen fiii die Gcldneuordnung festzulegen.

Mit Recht hat sich in der deutschen Öffentlichkeit die Auffassung durchgesetzt, daß die Neuordnung unseres Geldwesens und die Durchführung eines gerechten Ausgleichs — zwischen denjenigen, die durch den Krieg einen beträchtlichen Teil ihres Vermögens (oder dieses Vermögen insgesamt) verloren haben, und denen, die ihr Hab und Gut mehr oder weniger haben erhalten können — zeitlich voneinander getrennt werden müssen. Wenn dabei die Frage des Lastenausgleichs in der Diskussion merklich zurücksteht, so liegt das nicht allein daian, daß die Geldreform unter allen Umständen der erste Schritt sein muß s sondern wohl auch daran, daß allen denen, diesich ernsthaft mit dieser Ange legenheit beschäftigen, ihre Problematik immer deutlicher klar wird. Aber es ist an cer Zeit, die Grundfragen dieses Themas einmal nüchtern zu. erörtern — auch- wenn dabei Illusionen zerstört werden müßten, die etwa in Kreisen der Geschädigten noch "bestehen mögen, Die allgemeine. Vorstellung von der Durchf üh rung eines Vermögens- und Lastenausgleichs geht dahin, daß sämtliche auf den Krieg und seineFolgen zurückzuführenden Vermögensschäden, soweit dies nicht schon früher geschehen ist bei einer Kriegsschädenausgleichskasse angemeldet (und von ihr "festgestellt") werden. Dazu gehören also die durch Kriegshandlungen (insbesondere durch" Luftangriff e) verursachten Schäden, ferner die Verluste an Hab und Gut infolge von Gebietsabtretungen, Zwangsausweisungen. Demontagen, Reparationen, rechtmäßigen und rechtswidrigen Beschlagnahmen, sowie ferner tue im Zusammenhang mit der bevorstehenden Geldreform noch entstehenden oder genauer gesagt "offengelegten" Verluste an Geld, Sparkassenguthabens Hypotheken und sonstigen Forderungen: diese natürlich erst nach Aufrechnung mit den Gewinnen, die aus gleichem Anlaß resultieren. Die Geschädigten würden ihre Verluste in Schuldver, Schreibungen dieser Ausgleichskasse vergütet erhalten ~— nicht in toto, sondern mit einer Quote, die sich nach der Leistungsfähigkeit der Gesamtwirtschaft bemißt. Die Mittel zur Verzinsung und "Tilgung- dieser, Schuldverschreibungen wären von denjenigen aufzubringen, die Vermögenswerte einigen Umfangs erhalten hätten, also den sogenannten Sachwertbesitzern. Dabei wären zahllose Personen natürlich sowohl als Geschädigte anspruchsberechtigt wie als Sactwertbesitzer ausgleichspflichtig.

Es wäre zwecklos, die — gedachte — Technik dieses Ausgleichsverfahrens jetzt schön im ein zelnen näher darzustellen. Gewisse Anhaltspunkte : gibt der Colra GoldäiaithrPlan; auch auf deutscher Seite liege einige Vorarbeiten v. Was je von diesen Plänen gesetzgeberische Wirklichkeit werden wird, weiß zuverlässig natürlich niemand. Eines freilich dürfte selbst bei oberflächlicher Überlegung klar sein: die Durchführung eines solchen Ausgleichsverfahrens wird eine, geradezu ungeheuerliche Verwaltungsarbeit erfordern. Denken wir nur an eine Gruppe von Geschädig , ten: die Millionen der aus dem deutschen Osten, aus Polen, der Tschechoslowakei und den Balkanländern Vertriebenen. Gewiß "wären, im Interesse der Erleichterung der Verwaltungsarbeit, Vereinfachungen möglich: so die Festsetzung von Pauschalwerten für Hausrat und Kleidung, und vielleicht, da hier zuverlässige Bewertungen in den meisten Fällen schlechterdings unmöglich wären, der Ausschluß von Kunst- und Schmuckgegenständen von Entschadigungsleistuitgen (während dieselben Werte, als Verrnögensbestandteile, zum Lastenausgleich herangezogen werdent könnten) — Aber auch dann bliebe eine, kaum zu bewältigende Arbeit. Für landwirtschaftliches Vermögen, für Grund und Betriebsyermögen, für Wertpapiere und sonstige Rechtekönnte keinesfalls auf genatfe urkundliche Nachweise verzichtet werden, da andernfalls ja jedem Schwindel Tür und Tor geöffnet wäre. Solche Nachweise aber werden nur in den wenigsten Fällen zur Verfügung stehen; meist werden die; Aussagen von "Freunden und Bekannten", bestenfalls in der Form eidesstattlicher Ver i Sicherungen ersatzweise angeboten werdet —Auch die Arbeit, die mit einer Erfassung der durch die Geldreform aufgedeckten Verluste verbunden wäre, sobald "individualisierend" und nicht nur (war wohl praktisch unvermeidlich ist) nach einem grobmaschigen Schema verfahren wird, ist schwer vorstellbar.

Weiterhin entsteht die Frage, wie die Belastung des Sachwertbesitzes errechnet werden, kann, die- für einen entsprechenden Ausgleich der Verluste aller Geschädigtenkategorien festgesetzt und eingezogein werden müßte. Weil die durch den Krieg und seine Folgen entstandenen Schäden auf Geld- und Sachwertbesitzer gerecht verteilt werden sollen, müssen wohl Vergliche zwischen dem Stand des Volksvermögeas in der Zeit vor dem Kriege und nach endgültiger Feststellung aller Kriegsschäden angestellt werden. Dabei kann es sich nicht darum handeln ,die frühere Vermögensschichtung auf niedrigerer Ebene einfach wiederherzustellen, da ji in zehn Jahren auch Verluste entstanden sind, die nichts mit dem Krieg zu tun haben (durch Vermögensverzehr, schlechte Wirtschaftsführung usw )" und entsprechend natürlich auch Gewinne, von denen nun festzustellen wäre, ob sie im Einzelfall als berechtigt angesehen werden sollen oder nicht. Berücksichtigen wir zu alledem, daß der Beamtenapparat der Reichsfinanzverwaltung durch die Maßnahmen, der politischen Säuberung stark betroffen ist, während andererseits die Masse der heutigen Wirtschaftsbürokratie weder fachlich noch moralisch hinreichend qualifiziert erscheint, um eine so verantwortungsvolle Aufgabe durchzuführen, wie sie der Vermögens- und Lastenausgleich darstellt, so haben wir allen Grund, unsere Hoffnungen auf einen baldigen Abschluß der Arbeiten nicht allzu hoch zu spannen. Zur wirtschafts- und finanzpolitischen Seite der Angelegenheit ist noch folgendes zu sagen: Alsbaldige Kapitalzahlungen in irgendwie nennenswertem Umfange an die Geschädigten kommen offensichtlich nicht in Frage, sondern lediglich eine gewisse Verzinsung und die langfristige Tilgung der von der Ausgleichskasse r 1111