Je weniger Material und je mehr Arbeitsleistung ein Produkt erfordert, um so größer ist gerade heute unser Interesse an seinem Export. Bei Füllhaltern und Füllstiften, mit deren Erzeugung Deutschland früher, zumindest in Europa, führend war, ist ein schon ideal zu nennendes Verhältnis zwischen Material und Arbeit gegeben. Nur etwa 10 v. H. des Preises entfallen auf Rohstoffe; der Rest sind Löhne. Deshalb sollte ein solcher Artikel bei den Exportbemühungen besondere Berücksichtigung finden. Doch bisher hapert es noch immer an dem bißchen Material. Eine Goldzuteilung für die Herstellung von Federn ist bislang noch nicht erfolgt. Allerdings hat die Landeszentralbankstelle Pforzheim, die bei der Verteilung des kleinen, von der JEIA für. Exportaufgaben verfüglich gemachten Goldkontingents federführend ist, nun wenigstens Richtlinien angekündigt, nach denen die Verteilung erfolgen soll. In einigen Wochen dürfte daher zum ersten Male seit Kriegsende in Deutschland Gold für Federn bereitstehen. Bisher mußte ein ausländischer Käufer, der Füllhalter mit Goldfedern beziehen wollte, zunächst das Gold nach Deutschland schicken. Nur wenige Länder, wie die Schweiz, waren dazu in der Lage, und das Ergebnis war, daß der amerikanische Füllhalter noch stärker als vor dem Kriege auf dem europäischen Markt Fuß fassen konnte. Die geringen Zelluloidmengen lassen sich in der Regel beschaffen. Bei Iridium für die Härtung der Federspitze gestaltet sich die Einfuhr weiterhin schwierig, und die kleinen Reserven der Industrie sind fast aufgebraucht.

Doch mit diesen Produktionshindernissen ist es noch nicht getan. Denn das Ausland zeigt zwar größtes Interesse an diesem deutschen Produkt, dessen Qualität weiterhin unbestritten ist, aber in Dollar möchte man es nicht bezahlen. So muß bei jeder Handelsvertragsbesprechung auch das Kapitel Füllhalter gesondert angeschnitten werden. Im Abkommen mit Griechenland klappte es. Bei den noch schwebenden Verhandlungen mit Polen hofft man ebenfalls auf eine Quote. Italien dagegen hat sich bisher leider gesträubt, für seine Früchte den "Luxus" von Füllhaltern einzutauschen. Es liegt offenbar eine generelle Einfuhrsperre für Füllhalter nach Italien vor, doch voller Neid haben deutsche Besucher in Italien amerikanische Konkurrenzprodukte in den Fenstern gesehen. Sie sollen allerdings nicht im offiziellen Handel, sondern durch amerikanische Soldaten ins Land gebracht worden sein.

Immerhin, die Füllhalterindustrie kann als eine der wenigen Aussteller auf der vorjährigen Messe von sich sagen, daß der größere Teil der damals erteilten Aufträge, soweit sie nicht an ausgebliebenen Einfuhrbewilligungen der ausländischen Käufer doch noch scheiterten, inzwischen abgewickelt werden konnte. Und die Leistungsfähigkeit der Industrie hat sich seitdem noch erhöht, so daß hier einmal nicht nur vom Silberstreifen am fernen Horizont, sondern von einer konkreten Hoffnung gesprochen werden kann.

rw.