Alle Bemühungen um den Export, auch alle Anstrengungen zur Beseitigung der Ausfuhrhindernisse sind für die Katz, wenn die deutsche Ware nicht in alter Qualität angeboten werden kann. Dabei liegt das Schwergewicht nicht einmal auf dem Wörtchen "alt"! Denn natürlich muß der Anschluß an den Fortschritt des Auslandes gefunden werden, und manche Qualität von 1938 ist heute veraltet, hinterwäldlerisch. Ganz abgesehen von der Forderung, daß die Fachleute, die Weber, die Stoffdrucker, die Ingenieure und Konstrukteure möglichst bald Gelegenheit erhalten mußten, sich mit eigenen Augen draußen umzusehen, um den Anschluß an die Welt von 1948 zu finden, haben es auch die deutschen Produzenten nötig, die bereits erkannten Fortschritte in die Tat umzusetzen.

Aber wie? Manchmal ist es eine Spezialmaschine, deren Einfuhr aus dem Ausland den Anschluß herstellen könnte. In anderen Fällen mag das Studium technisch-fachlichen Literatur genügen. Vielfach braucht man kleine und kleinste Rohstoffmengen oder unersetzbare Zulieferungen in gefertigtem Zustand, um wieder up to date zu werden. Und nicht wenige Beispiele sind bekannt, in denen zwar das deutsche Produkt den Qualitätsanschluß bereits gefunden hat, aber die äußere Aufmachung fehlt. Die Einfuhr von etwas Ausstattung, von reizvollem Verpackungsmaterial kann dann bereits genügen, um das im Inland auch ohne jede Ausstattung verkäufliche Produkt auch für die Auslandsmärkte anziehend zu machen.

Bisher steht dem Exporteur neben der schwerfälligen Maschine der JEIA-Importe nur der Devisenbonus A in Höhe von 5 v. H. zur Verfügung, um diesen Spezialerfordernissen aus dem Ausland Genüge tun zu können. Doch 5 v. H. ist sehr wenig, wenn der Betrieb gleichzeitig eine Vielzahl von unaufschiebbaren Bedürfnissen hat, wenn man Ersatzteile für ausgeleierte Maschinen, Hilfsmittel für das technische Zeichenbüro, Geräte für die Forschung und sogar manchen Büroartikel braucht, vielfach Dinge, die früher in Deutschland selbst erhältlich waren, jetzt aber auf absehbare Zeit nicht zur Verfügung stehen. Die Forderung von Prof. Erhard im Namen der Verwaltung für Wirtschaft, eine Erhöhung des Devisenbonus A auf wenigstens 20 v. H. vorzunehmen, damit der Mangel an äußerer Qualität wettgemacht werden kann, hat daher in der Exportwirtschaft schnell lebhaften Beifall gefunden. Vorerst ist jedoch nur drei Wirtschaftszweigen, der Glas-, Keramik- und Textilindustrie, versuchsweise eine Erhöhung des Bonus A auf 40 v. H. eingeräumt worden. Sosehr gerade die Textilindustrie diesen Ansporn zu nutzen wissen wird, indem sie sich wahrscheinlich aus der Schweiz (oder aus anderen Ländern) moderne Webstühle und andere Anlagen, Farben – die zum Teil schon früher importiert wurden – Chemikalien und andere Hilfsstoffe auf diese Weise beschaffen wird: so wird man doch im Lager der übrigen Exportwirtschaft nur kurzfristig dieser versuchsweisen Bevorzugung zusehen wollen. Es ist daher zu hoffen, daß die von Prof. Erhard bei der Eröffnung der Exportmesse gegebene Anregung nicht ungehört verhallen wird.

eg.