Zum Unterschied von der Doppelzone besteht in der französischen Zone noch ein Außenhandelsmonopol. Bis heute ist das OFICOMEX der volle Name: Office du Commerce Extérieur, einziger Partner für sämtliche Import- und Exportgeschäfte geblieben. Die Außenhandelsfirmen sind also streng genommen nur die Lieferanten (oder Abnehmer) dieser amtlichen Einrichtung.

Der grundsätzliche Unterschied zwischen dem System der französischen und der Doppelzone ist freilich größer als seine derzeitigen praktischen Wirkungen: zwar ist in einem Falle die Firma, im anderen eine Monopolstelle Partner, tatsächlich aber geht die behördliche Bevormundung auch in der Doppelzone soweit, daß schnelle und selbständige Entscheidungen des Exporteurs ausgeschlossen wurden. Man kann sogar rückblickend das Oficomex gegenüber dem bisher gültigen System der Doppelzone in einiger Hinsicht als "leistungsfähiger" bezeichnen: Im Verhältnis zur Produktionskraft war der Export der französischen beträchtlich höher als in der Doppelzone. Die Gesamtzone exportierte in den ersten neun Monaten 1947 für 82 Mill. Dollar, also für das Gesamtjahr 1947 etwa für 110 Mill. Dollar.

Die höheren Leistungen erklären sich einmal aus dem Grundsatz der französischen Militärregierung, daß sich die Zone selber tragen müsse; daß damit überaus harte Eingriffe in die Rohstoffreserven der Zone verbunden waren, ist bekannt. Zugleich war das Oficomex von vornherein durch diese Richtlinie in mancher Hinsicht zu wendigeren Geschäftsmethoden veranlaßt.

Allerdings wurde die Abwicklung für das Außenhandelsmonopol dadurch erleichtert, daß bis Ende 1947 etwa 80 v. H. des Zonenexports von Frankreich aufgenommen wurde, wenn auch oft zu ungünstigen Preisen und teilweise zum Zwecke des Re-Exports. Inzwischen hat Frankreich die Einfuhren aus seiner Besatzungszone erheblich eingeschränkt; die Lieferungen aus dem Saargebiet sind französischer Binnenhandel und dafür die zahlreichen Geschäftsbeziehungen des Saargebietes besonders mit Rheinland-Pfalz, zum Außenhandel geworden.

Diese neue Lage zwingt das Oficomex zur Umstellung auf neue Märkte und zur Revision seiner Methoden. Es kommt hinzu, daß der Export von Rohstoffen und Halbfabrikaten (zum Beispiel Rund- und Schnittholz) immer mehr durch Fertigerzeugnisse ersetzt werden muß. Im gleichen Umfang aber wachsen die Schwierigkeiten eines ausschließlich behördlich dirigierten Außenhandels. Dies mag dazu beigetragen haben, daß seit einem halben Jahr die bisher in Baden-Baden streng zentralisierte Geschäftsabwicklung immer mehr auf regionale Außenstellen verlagert und das Devisenbonussystem eingeführt wurde, das aber noch nicht praktisch wirksam wurde. Manches deutet jedoch darauf hin, daß in absehbarer Zeit das Monopolsystem aufgegeben und der unmittelbare Abschluß zwischen Firmen unter – Lenkung oder Kontrolle der amtlichen Stellen erlaubt werden wird.

Das – Außenhandelssystem der französischen Zone befindet sich somit jetzt in einem Zustand des Übergangs, wobei durch verfrühte Presseankündigungen, denen entsprechende Maßnahmen nicht oder erst sehr viel später folgten, vielfach Unklarheit und Unsicherheit geschaffen wurden. Wie in der Doppelzone, so haben auch in der französischen Zone voreilige Nachrichten über bevorstehende Veränderungen eine abwartende Haltung der Exporteure begünstigt.

Vielleicht war es ein Vorteil, daß in der französischen Zone die "Kinderkrankheiten" des vereinigten Wirtschaftsgebietes – vom Monopol bis zum bürokratisch gedämpften Firmenabschluß – nicht mitgemacht wurden. Es besteht nun die Aussicht, daß die langersehnte Angleichung dann erfolgt, wenn auch in der Doppelzone echte Voraussetzungen für eine erfolgversprechende individuelle Ausfuhr gegeben sind.