Marlene-Dietrich-Film in Hamburg

Seit langem war. in einem Hamburger Kino nicht so herzerfrischendes Lachen zu hören wie im Capitel, wo man jetzt den temperamentsprühenden amerikanischen Reißer "Der große Bluff" zeigt (Destry Rides again – Eindeutschung der Filmtitel ist Gkückssache!). Ein hinreißender Anfang, ein scharf, pointierter Schluß und dazwischen toller Kintopp, mit allerneuester Raffinesse gemacht. Hier haben es die Amerikaner fertiggebracht, mit goldenem Humor sich selbst und ihre Wildwestvergangenheit begeistert zu verulken. Dabei fehlt jede sonst in Hollywood beheimatete penetrante Sentimentalität; aber zwischen all dem turbulenten, von Pistolenschüssen krachenden Jux sind manchmal geradezu lyrische Töne: dank einem sehr liebenswerten Schauspieler James Stewart –, der mit feinen Mitteln so nebenbei wohltuend, demonstriert, wie man ganz ohne Waffen und ganz leise ein perfekter Held sein kann. Und Marlene (Dietrich), immer noch sehr berlinisch, sehr charmant, geladen mit Erotik, beherrscht die Männer mit sündiger Stimme, ganz tief aus dem Keller, und koketten Beinen. Regie: George Marshall; Musik: Friedrich Holländer. Die witzigen Dialoge der Synchronisation waren dennoch kein Ersatz für die Originaltexte.

Erika-Müller