DieVerhandlungen über den österreichischen Staatsvertrag, die gewissermaßen zu den Requisiten des diplomatischen Nachkriegsspiels gehören und deshalb von Zeit zu Zeit auf die Bühne gebracht werden, sind wieder einmaligescheitert, diesmallan den jugoslawischen Gebietsansprüchen oder, besser gesagt, an der Zustimmung der sowjetischen Vertreter zu diesen Ansprüchen. Mit Recht konnten sichdie Westmächte darauf berufen, daß jede Verletzung der österreichischen Grenzen der Moskauer Großmächtebeschluß von 1943 entgegensteht, wonach Österreich als unabhängiger Staat inseinen Grenzen von 1937 wieder zu errichtet ist. Vermutlich hätte sich damals aber Stalin nicht ganz klargemacht, daß er mit diesem Beschluß! aufMöglichkeit verzichtete, für seinen jugoslawischen Partisanenchef, Tito, später territoriale Belohnungen zu Lasten Österreichs herauszuschlagen, ebenso wie sich Präsident Truman undPremierminister Churchill in Potsdam darüber nicht im klaren waren, was sie unterschrieben, als sie denRussen das deutsche Eigentum in Österreich zubilligten. Aber auch in Teheran und Jalta hat man weder einen ernsten Versuch gemacht, von den Russen eine klare Begrenzung ihrer Kriegsziele zu fordern, noch wurde der Begriff der Demokratie, für die eigentlich der letzte Krieg geführt wurde, genau definiert;

Gerade diese Unüberlegtheit, mit der die diplomatischen Verhandlungen der Alliierten gegen Ende des Krieges geführt wurden, wirkt sich jetzt sowohl für die Sieger als auch für die Besiegten außerordentlich ungünstig aus. Für die Besiegten sungen von Teheran, Jalta und Potsdam zahlt nun Amerika zur Zeit nicht nur die Marshall-, sondern auch diejenigen Milliarden, die der Verteidigungsminister Forrestal zureiligen Wiederherstellung des amerikanischen Bomberpotentials angefordert hat. Andere werden vielleicht später und in anderer Weisezu; zahlen haben, Dem – kleinen Österreich aber, das bereits zwischen die Mühlsteine geraten ist, bleibt nur die Hoffnung auf einen späteren neuen Versuch. Er wird allerdings erst dann gelingen, wenn entweder ein klares Übergewicht der einen Seite entstanden ist, oder wenn beide sich doch noch entschließen, eine rückhaltlose Gesamtbereinigung zu unternehmen.