In den vergangenen zwölf Tagen hatte die Exportmesse Hannover ausreichend Gelegenheit, sich von dem feierlichen "Richtfest" am 22. Mai zur fertigen Messe der Doppelzone zu entwickeln. Leider ging diesmal alles sehr langsam und ohne rechten Schwung. Das gilt besonders auch für die organisatorische Seite, die noch heute über erhebliche Schwächen verfügt. An der Mitteilung, daß man bereits jetzt mit den Vorbereitungen zur Exportmesse 1949 beginnen will, kann man ohne Überraschung erkennen, wie groß in diesem Jahre die sichtbaren und vor allem die unsichtbaren Versäumnisse gewesen sein müssen.

Von den ausstellenden Firmen ist auch in diesem Jahre keine Mühe gescheut worden, um dem ausländischen Interessenten die deutsche Produktion wirkungsvoll vor Augen zu führen. Und da kann festgestellt werden, daß sich die deutschen Firmen schon erheblich den Weltmarktledürfnissen angepaßt haben. Einige Textilfrmen überraschen mit völlig neuartigen Mustejungen, die bei Ausländern sehr viel Anklang fnden. Allerdings glauben wir nicht, daß das Kunstgewerbe überhaupt Exporthoffnungen hegen darf. Leider scheint die deutsche Rundfunkgeräte-Industrie mit ihren verhältnismäßig schlicht und auch steif wirkenden Erzeugnissen die geschmackliche Richtung des Auslandes überhaupt nicht zu treffen. Das ist sehr bedauerlich. An sich entspricht der bisherige geschäftliche Verlauf dem gesamten langsamen Start der diesjährigen Messe. Ohne Zweifel bestehen Im Auslande für deutsche Waren große Kaufwünsche, Zahllose Gespräche zwischen ausländischen Besuchern und deutschen Ausstellern bestätigen dies. Man ist aber in der Erteilung der Aufträge im Hinblick auf die Einfuhrlizenzen recht vorsichtig geworden. Wenn man einigen Aufträgen nachgeht, die von der optimistischen Messeleitung veröffentlicht wurden, so kann man bei den zuständigen Dienststellen erfahren, daß keine Gewähr für eine Durchführung dieses Auftrages übernommen werden kann.

Darum betrachten viele Industrien die Messe In Hannover als Folge der bürokratischen JEIA-Bestimmungen und der ungeklärten Patent- und Warenzeichenfrage nach wie vor lediglich als eine Repräsentativschau, um das Gespräch mit dem Ausland langsam enger zu gestalten. Das wird. Hannover bleiben, wenn die einschränkenden Außenhandelsbestimmungen nicht sehr bald vernünftigen Erwägungen weichen. ww.

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