vom 27. Mai bis 2. Juni 1948

Außenminster Marshall setzte sich in einer Rede über die weltpolitische Lage für die Festsetzung eines festen Kurses der USA-Außenpolitik ein. Die Sowjetregierung habe "eine vorsätzliche und zynische Propagandakampagne eingeleitet, um die ernsthaften Bemühungen der USA, zu Verhandlungen über eine weltumfassende Lösung zu kommen, zu untergraben. Die Sowjetregierung würde auf das entschiedene Entgegenkommen der USA rechnen können, wenn sie ihre Haltung ändere.

Der außenpolitische Ausschuß des Senats veröffentlichte eine Liste sowjetischer Vertragsverletzungen, die im -Zusammenhang mit der Kongreßbotschaft des Präsidenten Truman vom 17. März vom amerikanischen Außenministerium überreicht worden war. Sie enthält zehn schwerwiegende Fälle, in denen Abkommen über Deutschland verletzt worden seien. Andere Fälle von Vertragsverletzungen beziehen sich auf Österreich, Polen, Ungarn, Bulgarien, Rumänien, Korea und die Mandschurei. Bezüglich der Oder–Neiße-Linie stellt das USA-Außenministeri-tum fest, das Potsdamer Protokoll habe ausdrücklich vorgesehen, daß die endgültige Festlegung der deutsch-polnischen Grenze erst nach de Friedensregelung erfolgen solle.

In unterrichteten Kreisen Washingtons sei man, einem Reuter-Bericht zufolge, der Ansicht, daß die USA-Regierung demnächst mit der Sowjetunion über einige wichtige Probleme Verhandlungen einzuleiten versuchen werde, um auf diese Weise für "kommende größere Dinge" die Lage zu sondieren.

Premierminister Attlee bekannte sich in einer Rede zur versöhnenden Aufgabe der Europa-Union, die sich gegen niemanden richte, aber zum Ziel habe, die Errungenschaften Westeuropas und den freundschaftlichen Austausch von Gütern und Ideen mit der ganzen Welt zu pflegen und zu sichern. Die Schaffung und Sicherung des Friedens hinge aber davon ab, daß sich die Menschheit gewisse gemeinsame Grundsätze des allgemeinen Verhaltens und der Achtung vor des Rechten des einzelnen zu eigen mache.

Die französische Regierung hat, wie in Paris verlautet, im Zusammenhang mit der amerikanischen diplomatischen Taktik gegenüber der Sowjetunion erneut Vorstellungen in Washington erhoben und gebeten, daß die amerikanische Regierung den "kalten Krieg" etwas weniger nachdrücklich führen möge. Wie Reuter berichtete, hoffe man in französischen diplomatischen Kreisen, daß Großbritannien Frankreich in dieser Angelegenheit unterstützen werde.

Über die Londoner Deutschland Verhandlungen schrieb die "Times", daß es zgbfhnhmjlkk sei, ob Empfehlungen, die auf der Londoner Konferenz verabschiedet werden, durch die französische Regierung ratifiziert würden, solange nicht eine klare Zusicherung militärischer Hilfe seitens der amerikanischen Regierung vorliege. Die Franzosen wollten sich auf keine Entschließung festlegen, die russischen Widerspruch erregen könnte, solange sie keine, genügende militärische Rückendeckung hätten.