Im April stellten die Töging-Werke die – ersten 150 t Aluminium her, die seit Kriegsende in der Doppelzone produziert wurden. Das Lippe-Werk bei Dortmund wird voraussichtlich die Produktion im Juni aufnehmen können.

Die vor kurzem von den Besatzungsmächten der Doppelzone erteilteErlaubnis zur Aufnahme der Aluminiumerzeugung bedeutet, daß die Versorgung derdeutschen Industrie mit metallischen Rohstoffen in absehbarer Zeit eine erhebliche Entspannung erfahren wird, Allerdings hat die Kapazität der deutschen Aluminiumwerke durch Kriegszerstörungen und besonders durch Demontagen. einebeträchtliche Schwächung erfahren. So ist einesder besten Werte, das Lautawerk in der Niederlausitz, dessen Jahresleistung 60 000 t betrug, demontiert und nach der Sowjetunion geschafft worden. Man schätzt, daß die Leistungsfähigkeit der deutschen Anlagen heute nur noch rund 50 000 t beträgt, gegen eine Höchsterzeugung von rund 250 000 t im Jahre 1943.

Aber selbst diese Kapazität wird vorerst nicht ausgefüllt werden können, obwohl die Bauxitvorräte, die heute noch: in Deutschland lagern und auf 270 000 t geschätzt werdet dafür ausreichend sein würden. Es fehlt vorläufig immer noch an der notwendigen Energie (für eine Tonne Aluminium werden außer 4 t Bauxit, 0,075 t Kryolith, 0,5 t Elektrodenkohle und 420 Arbeitsstunden nicht weniger als 20 000 kW-Stunden elektrischer Energie benötigt). Immerhin sollte sich der Energieengpaß mit der steigenden Kohlenförderung und unter Einschaltung anderer Energiequellen, besonders der Wasserkraft, in absehbarer Zeit überwinden lassen.

Das Lippewerk der Vereinigen Aluminiumwerke A. G. ist gegenwärtig mit den Vorarbeiten zur Wiederaufnahme der Aluminiumerzeugung beschäftigt. Die gegenwärtig mit Erzeugung soll etwa um die Mitte des Jahres erfolgen. Obwohl sich die Kapazität des Lippewerkes auf 33 000 t im Jahr beläuft, erwartet man vorerst nur eine Erzeugung von etwa 1400 t im Monat oder eine im 800 t im Jahr. Aber selbst diese Erzeugung wird, wie verlautet, in den ersten Monaten rund erreicht werden. Die vorhandenen Bauxitbestände würden auf der Basis einer Jahreserzeugung von – 16 800 t für ein Jahr ausreichen. In der amerikanischen Besatzungszone hat das Innwerk bei Töging bereits mit der Aluminiumerzeugung begonnen. Auch dieses Werk ist das ein Jahr ausreichen. it Bauxit versehen.

Die Frage der Bauxitversorgung muß aber in dem Augenblick dringend werden, wenn die Erzeugung steigt. Deutschland ist praktisch ohnenennenswerte eigene Bauxitvorkommen. Da der Devisenaufwand für die Bauxiteinfuhr im Verhältnis zu den Gestehungskosten relativ gering ist, kann man Aluminium gewissermaßen als ein inländisches Metall betrachten. Auf jedenFall ergeben sich bedeutende Ersparnisse gegenüber der Aluminiumeinfuhr, mit der man bisher den dringendsten deutschen Aluminiumbedarf in der Doppelzone zu befriedigen trachtete. Vom 1. 1. 1947 bis zum 31. 3. 1948 wurden 17 500 t Aluminium von der Doppelzone eingeführt, Diese Einfuhren stammten größtenteils aus Kanada, ferner aus der Schweiz, den USA und Norwegen.

Die Wiederaufnahme der Aluminiumerzeugung in Deutschland bedeutet aber nicht nur eine Erleichterung in der Rohstoffversorgung der deutschen Wirtschaft, sondern sie ist gleichzeitig ein Beitrag für die Gesundung, der europäischen. Wirtschaft. Ungarn, Jugoslawien, Griechenland und sogar Italien verdankten vor dem Krieg das Aufblühen ihrer Bauxitindustrie dem Wachstum der deutschen Aluminiumerzeugung. Diese Länder verloren durch das Kriegsende und durch das über Deutschland verhängte Erzeugungsverbot ihren besten Bauxitkunden. Der Verlust des Bauxitabsatzes nach Deutschland hat bekanntlich schon dazu geführt, daß man in Südosteuropa die Errichtung der "größten europäischen Aluminiumindustrie" plant, obwohl die notwendigste Voraussetzung, eine entsprechende Energiebasis, fehlt. Es verlautet, daß gegenwärtig schon wieder Offerten auf die Lieferung von Bauxit aus Frankreich, Italien, Jugoslawien und Ungarn vorliegen, und die deutsche Aluminiumindustrie hofft, daß unter dem Rohstoffeinfuhrprogramm für die Doppelzone auch gewisse Beträge für die Bauxiteinfuhr, bereitgestellt werden.

Deutschlands Stellung als Aluminiumerzeuger ist bereits während des Krieges durch den Ausbau der nordamerikanischen und kanadischen Erzeugung gesunken. Betrug der deutsche Anteil, an der Weltproduktion im Jahre 1939 immerhin 30 v. H., so war er bis 1943 auf 13 v. H. gefallen und betrug 1944 nur 14 v. H. Die kriegsbedingte Überdimensionierung der nordamerikanischen Erzeugung (Höchstproduktion im Krieg 834 Ermetr. Tonnen im Jahre 1943, und der kanadischen Erzeugung mit einer Produktion von 450 000 metr. Tonnen im Jahre 1943 war wahrscheinlich ebenfalls einer der Gründe, die dann zu dem Erzeugungsverbot für Deutschland führten. Es hat sich aber gezeigt, daß die Überkapazität in diesen Ländern nicht durch die Ausschaltung der deutschen Erzeugung gemindert werden konnte, denn amerikanisches und kanadisches Aluminium können nur gegen Dollar gekauft werden, die in den meisten Ländern, sogar in England, nach dem Krieg immer Ländern, geworden sind. Darauf ist es wohl auch zurückzuführen, daß die Erzeugung in den USA bis 1946 bereits auf 389 000 metr. t und in Kanada auf 150 000 t gesunken war. Leistungsmäßig könnten die USA und Kanada wohl den größten Teil des Weltbedarfs an Aluminium aus ihren Produktionsanlagen decken. Das ist aber heute nicht nur eine Frage der Kapazität. H. B.