Da die Steinkohlenförderung mit einer Tagesleistung von 265 000 bis 271 000 t während der beiden letzten Monate beträchtlich hinter den Planungen zurückbleibt, werden die Durchfuhr rung des Marshall-Planes und der gesamte deutsche Wiederaufbau in Mitleidenschaft gezogen. Alle verantwortlichen Stellen befassen sich mit diesem Produktionsproblem Nr. 1, weisen in Besprechungen und Konferenzen, an denen kein Mangel besteht, auf die Gründe hin, die zu diesem Rückging in der Kohlenförderung geführt haben und machen Vorschläge, die eine neue Aufwärtsbewegung herbeiführen sollen. Man ist sich darüber einig, daß die verschiedenen Anspornaktionen zwar beachtliche Anfangserfolge erzielten, aber nicht die Hoffnungen erfüllt haben, die vielfach an sie geknüpft wurden. Der Exportbonus, der dem Bergbau seit Mitte April in der Form von Importwaren-Kauf-Marken zufließt, hat bisher auch keine nachhaltige Wirkung ausgelöst; die jetzt beabsichtigte Sonderzuteilung von Fleisch und Fett an die Bergarbeiter wird ebenfalls nur Teilwirkungen hervorrufen.

Solange nicht die Lebenshaltung der gesamten Bevölkerung an Ruhr und Rhein wesentlich verbessert, die Materialversorgung und die technische Aisrüstung der Zechen nicht in ausreichendem Maße sichergestellt, die Währungs- und Lohnverhältisse nicht geordnet sind, ist eine beachtliche Steigerung der Kohlenförderung, die dann! auch gehalten und langsam weiter verbessert werden kann, nicht zu erreichen. Dazu gehört vor allem auch die Erfüllung der immer wieder gestellten Forderung, die Demontage überhaupt! und vor allem die von Industrien, die Zulieferer für den Kohlenbergbau sind, zu beenden. Werden diese Voraussetzungen erfüllt, wird sich auch die Schichtleistung je Mann unter Tage, die in der Vorkriegszeit 2 t, im März 1,28 und in den beiden letzten Monaten 1,24 t betrug, steigern und dadurch zusammen mit einer Vermehrung der Belegschaft und einer Verminderung der! Fehlschichten (imApril 16,1 und im Mai 17. v. H.) am schnellsten eine beträchtliche Erhöhung der Förderung erreichen lassen. Wenn von der deutschen Kohlenbergbauleitung als Sofortmaßnahmen u. a. eine eingehende Überprüfung der Belegschaften der Tagesbetriebe vorgesehen ist um eine möglichst große Zahl von Arbeitskräften für den Einsatz unter Tage freizumachen, und ferner eine bessere Ausnutzung der Schichten und Arbeitszeit unter Tage angestrebt wird, dann muß man sich eigentlich darüber wundern, daß, diese Maßnahmen nicht schon längst durchgeführt worden sind. J. Sch.