Uraufführung in Bochum

Was in aller Welt mag das Theater in Bochum veranlaßt haben, aus dem Nachlaß des vor Jahren verstorbenen Otto Ernst Hesse ein als Komödie bezeichnetes Stück "Frau Bettine" hervorzusuchen und es auf die Bühne zu stellen? Glaubte man bei dem notorischen Mangel an echten Komödien auf dem deutschen Theater ein Auge zudrücken zu können oder entäußerte man sich von vornherein aller Bedenken, indem man meinte, dieses Theaterstück sei wirklich eine gute Komödie? Nun, dann müßte man die Täuschung sehr bedauern, der man sich an verantwortlicher Stelle in Bochum erneut verschrieb, nachdem schon einige bedenkliche Beispiele im letzten Jahr voraufgegangen waren und dem früher einmal vielgerühmten Bochumer Schauspiel den Ruf eingetragen haben, zum zeitgenössischen dramatischen Schaffen ein besonders schlechtes Verhältnis zu besitzen.

Otto Ernst Hesse hat eine ganze Reihe meist leichtwiegender Theaterstücke geschrieben, von denen die meisten über einen Tageserfolg nicht hinausgekommen sind. (Zu den schon im stofflichen Problem erfolgreichsten gehörte das anfangs der dreißiger Jahre in Berlin herausgebrachte, zusammen mit dem damals berühmten Strafrechtsverteidiger Alsberg geschriebene Drama "Voruntersuchung".) Auch Bochum hatte schon einmal, vor zehn Jahren, mit der Einstudierung einer Komödie "Sommerfrische" eine Hesse-Premiere. Sie mit diesem Stück aus dem Nachlaß nochmals zu vermitteln, war weder dem Autor, noch dem Publikum, noch den Künstlern wohlgetan. Denn es ist nichtssagend, um nicht zu sagen langweilig, und ganz sicher keine Komödie, wenn man die gelegentlich eingestreuten, vom Auditorium fast gierig aufgenommenen Wortwitze nicht als genügend ansehen will, eine solche Bezeichnung zu rechtfertigen. Eine Frau wie diese Frau Bettina, die, soeben geschieden, dem Einfluß des so ganz anders sie ansprechenden Geigenvirtuosen leicht verfällt, ist kaum ein interessantes Wesen, geschweige denn eine Gestalt der wirklichen Komödie, der auch das zwischendurch eingeflickte retardierende Moment eines ungewollten Malheurs er erleidet durch sie an einem wertvollen linken Geigenfinger eine Verletzung – keine farbigen Züge beifügt.

So mußten denn fünf Akte überstanden werden, auch von den Darstellern, die, im oft lustlosen Spiel und Dialog häufig spürbar, sich für eine undankhare Sache einsetzten. H. G. F.