Nach der Biographie von Eve Curie hat die amerikanische Filmgesellschaft Metro Goldwyn-Mayer den filmischen Welterfolg "Madame Curie" geschaffen, der nach dem bedeutenden Pasteur-Film jetzt in der Urania-Filmbühne Hamburg zu sehen ist. Die hervorragende Schauspielerin Greer Garson, "die neue Garbo", verkörpert-mit großem Takt die berühmte Physikerin Marie Sklodowska, die zusammen mit ihrem Lebensgefährten Pierre Curie 1903 für die Entdeckung des Elements Radium mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Es ist bemerkenswert, wie dieser Film geeignet ist, breiten Massen einfacher Menschen einen Eindruck von der harten, aus Besessenheit betriebenen geistigen Arbeit zu vermitteln. Er erzählt von Kampf und Entmutigung, Aufopferung und Erfolg des großen Pariser Forscherpaares und vergißt auch das Menschliche der privaten Sphäre nicht. Auch wenn manche Szene in gefährliche Nähe der populär-(pseudo)wissenschaftlichen Atmosphäre gerät und wenn das Menschliche, für deutschen Geschmack, gelegentlich ins Allzumenschlich-Banale zu gleiten droht, so bleibt diese Form eines belehrenden Films ein Gewinn für die Verständigung der Menschen und der Nationen. Glänzende Darsteller (Walter Pidgeon als Pierre Curie, Reginald Owen als Professor Becquerel, C. Aubrey Smith als Lord Kelvin und Albert Bassermann als Professor Perot), das intensive Drehbuch von Paul Osborn und P. H. Rameau und die effektvolle und doch behutsame Regie Mervyn Le Roys tragen gleichermaßen zum Erfolg bei.

Oberflächlich und ziemlich leichtfertig jedoch scheint uns der englische Rank-Farbfilm "Zwei Welten" (Men of two Worlds) vorzugehen, der das schwerwiegende Thema des Aufeinanderpralls der entfremdeten Weltanschauungen eines in europäischem Geist erzogenen Negermusikers und seines heimatlichen Urwaldvolkes, geschürt durch die eingebildete Zivilisationssucht des weißen Mannes in Afrika, behandelt. Zwar sind die technischen Mittel von großem Aufwand und die farbigen Bilder der afrikanischen Landschaft von großer Schönheit, auch ist durch afrikanische Musik verdichtete Atmosphäre des Urwalds erregend lebensvoll eingefangen. Aber die zweifelhafte Handlung, die anschaulich zu demonstrieren sucht, wie weiße Menschheitsbeglücker durch sanfte Gewalt die Neger zu ihrem Glück zwingen, steht auf schwachen Füßen. Hier geht es um die massenweise Umsiedlung der Stämme aus dem durch die Tsetsefliege verseuchten Gebiete des Tanganjika-Sees; ein lobenswertes Projekt, wenn nur die falschen Moralintöne nicht so penetrant. wären.

Eric Portman verkörpert als Bezirkskommissar so recht den Typ eines brutalen Herrenmenschen, dessen Beispiel – wenigstens in deutschen Zonen – nicht mehr "zieht", Phyllis Calvert trägt als Ärztin im Urwald Modellkleider zur Schau, Eseza Makumbi aber ist eine farbige Schauspielerin von bezaubernder Süße. Doch die europäischen Stimmen der hervorragenden Sprecher der Synchronisation klingen befremdlich aus den schwarzen Mündern. – Das Publikum, das auf diese Weise ehemals deutsch-ostafrikanische Gebiete kennen lernte, saß im Waterloo-Theater erschauernd da wie Kinder vor einem wirren Märchen. Erika Müller