Der Hamburger Exporthandel ist in seinen Geschäftsmöglichkeiten nicht zuletzt durch den Verlust des natürlichen Hinterlandes in der Ostzone, vor allem der Industriegebiete von Thüringen und Sachsen, schwer betroffen worden. Die Bemühungen, mit den sowjetischen Stellen die Voraussetzungen für eine Wiederaufnahme der Ausfuhr aus der Ostzone über Hamburg zu klären, waren bisher recht negativ verlaufen. Doch die starke Stellung, die der Fachmann insbesondere im Exportgeschäft mit Übersee innehat, läßt zusammen mit den zunehmenden Absatzschwierigkeiten das Interesse der russischen Stellen wachsen.

Dies hat die Voraussetzung für eine grundsätzliche Vereinbarung für den Export aus der Ostzone über Hamburg geschaffen, an der neben anderen Stellen das Hamburger Außenhandelskontor und die Berliner Handelskammer Paten gestanden haben. Das Verfahren wirkt zunächst dadurch sehr umständlich, daß die erste "Grenze" Bereits am Eisernen Vorhang überwunden werden muß. Dies geschieht durch die Bereitstellung Um sonst von ausländischen Käufern zu eröffnenden Akkreditivs durch die JEIA auf die Verkehrs- und Kreditbank Berlin. Dadurch (wird die früher von deutscher Seite gefürchtete Klippe umschifft, daß die sowjetischen Exportinteressen sich des Hamburger Handels nur zur Eröffnung von Geschäftsverbindungen bedienen könnten, um dann später das weitere Geschäft direkt unter Ausschluß des Exporteurs in den Westzonen zu betreiben. Es wird jetzt auch von russischer Seite dem Exporteur in Westdeutschland die Kommissionszahlung in Devisen zugestanden, nachdem, die ursprünglich angebotene Abfindung in RM als uninteressant zurückgewiesen worden war, da der Exporteur ja seine Auslandserfahrungen heute wieder unter Aufwand seiner Devisenerlöse erneuern und erweitern muß.

Die Praxis wird zeigen, ob der von beiden Seiten des Eisernen Vorhangs vorhandene gute Wille ausreichen wird, um die geschilderten Umständlichkeiten zu meistern. Dies wäre nicht nur für die notwendige Überwindung der wirtschaftlichen Lähmungen durch die innerdeutschen Zonengrenzen zu begrüßen; es könnte auch zum günstigen Vorzeichen für die Wiedereinschaltung Hamburgs als dem natürlichen Transitplatz für den Export Osteuropas werden. eg.