Von Alfred Glathe

Der Verfasser, Vorsitzender des Ostasiatischen Vereins in Hamburg, ist nach langjährigem Aufenthalt in China nach Kriegsende repatriiert worden. Die optimistische Note bei seiner Beurteilung der wirtschaftlichen Aussichten in Ostasien entspringt also der Kenntnis des Fachmannes; bei Anerkennung seiner Gleichberechtigung ist Asien schon aus eigenem Interesse zum wirtschaftlichen Austausch mit Europa bereit.

Viele der in den letzten Jahren erschienenen Berichte über ostasiatische Länder sind leider mehr durch persönliche Neigungen und Abneigungen gekennzeichnet als durch eine ausreichende Kenntnis und Würdigung der geschichtlichen Tatsachen. Beispielsweise verleiten die so häufig hervorgehobenen fremdenfeindlichen Bewegungen ganz unberechtigt zu trüben und hoffnungslosen Voraussagen. Die als "fremdenfeindliche Ausschreitungen" bezeichnete Erscheinung der letzten Jahrzehnte zielte nicht etwa auf eine Landesverweisung der Fremden ab, sondern sie richtet sich lediglich gegen fremde. Bevormundung und gegen die Sonderstellung der Ausländer im eigenen Land. Mit einem Erlöschen dieser nationalen Bewegungen ist zu rechnen, sobald sie ihr Ziel erreicht haben, nämlich die volle und uneingeschränkte Souveränität. Kein politisch geschulter Angehöriger der ostasiatischen Nationen wird die Ausländer als einen unerwünschten Fremdkörper aus dem Werdegang seines Handels, seiner Industrie und Wirtschaft entfernen wollen. Besonders uns Deutschen gegenüber ist bei diesen Völkern das Bedürfnis nach einer engen kulturellen und wirtschaftlichen Arbeitsgemeinschaft geblieben – und darüber hinaus interessiert uns auch, nicht mehr viel.

Die Zukunft; aussiebten der zu Ostisien und Südostasien gehörenden Märkte als Abnehmer und Rohstoffversorger sind unermeßlich; sie gewinnen für den internationalen Handel täglich größere Bedeutung. Dazu gehören China einschließlich der Mandschurei, der Mongolei und Turkestans, Ostsibirien, Japan, Korea, Formosa, die Philippinen, Niederländisch-Indien, Siam, die Malayen-Staaten und Indochina.

Es ist nur zu verständlich, daß die leisten Entwicklungen in diesen Staaten von Europa aus mit – größter Beunruhigung, ja Bestürzung verfolgt werden. Bei sachlicher Beurteilung aber treten sie uns nicht so kraß vor Augen, wie die leider oft in Unkenntnis ostasiatischer Dinge geäußerten Befürchtungen es erwarten ließen. Besonders die Chinesen erleben die wirtschaftlichen und die politischen Katastrophen der letzten 40: Jahre als ein Interludium, wie es ihre Geschichte ihnen in umstürzenden Wandlungen schon häufig aufzwang. Ihre philosophische Sicherheit sagt ihnen-, daß sie auch dieses Zwischenspiel ebenso überwinden werden, wie sie die früheren mit neuen Impulsen überstanden, die sie aus der ihnen angeborenen Sicherheit, ihren natürlichsten Lebenskräften, schöpften.

Bei der Kapitulation Japans war der größte Teil Chinas, waren seine wichtigsten Industriegebiete von japanischen Verbänden besitzt. Die Einstellung des Krieges brachte China nicht den versprochenen friedlichen Verlauf seiner Wirtschaft. Der, verstärkte kommunistische Aufmarsch gegen die Nationalregierung vereitelte die Durchführung der vorbereiteten Pläne, und die erwarteten Früchte der schweren Kriegsjahre konnten nicht geerntet werden.

Die Interventionen ausländischer Mächte haben bisher versagt. Gewisse Kreise bemühen sich, Aktionen in Bewegung zu setzen,-die ohne ausländische Hilfe Ordnung im Land schaffen sollen. Uns erreichen in rascher Aufeinanderfolge Nachrichten über verschiedene Strömungen und Gegenströmungen, Personenwechsel in den höchsten Staatsämtern, Inangriffnahme und Wiederzurückziehung wirtschaftlicher Maßnahmen und Ähnliches. In Handelskrisen macht sich erhebliche Mißstimmung bemerkbar und ein erhöhter Zweifel an der Wirkung der neuen Einrichtungen, die die Lösung der Probleme bringen sollen. RDGugfl,ergebrklfech t haltsam ab. Tschiangkaischek hat dem Volk die Niederwerfung der Kommunisten innerhalb von sechs Monaten versprochen. Die nächsten Wochen werden zeigen, mit welchen Mitteln er seine Pläne durchsetzen will, und erst das Gelingen oder Nichtgelingen dieser Operation wird die Wege zeigen, die zu einer friedlichen Auswertung der gewaltigen Wirtschaftsmöglichkeiten des Landes führen könnten.