Achtundzwanzig Tage sollen in Palästina die Geschütze schweigen, das ist die Frist des Waffenstillstandes, die der Vermittler der UNO, Graf Bernadotte, den unversöhnlichen Gegnern abgerungen hat. Noch sind auf beiden Seiten Mißtrauen und Zweifel in Absicht und Vertragstreue des Gegners größer als die Hoffnung auf eine friedliche Lösung des Palästina-Konfliktes. Die feindlichen Parteien verraten wenig Neigung, durch Zugeständnisse den Bemühungen des Grafen entgegenzukommen, den Krieg im Heiligen Lande mir Hilfe von Verhandlungen zu beenden. Tufik Pascha, der transjordanische Ministerpräsident, hat erklärt, daß die arabischen Staaten von den vorgeschlagenen Friedensverhandlungen in Rhodos kein Resultat erwarteten, und Al Assa, das offizielle Organ des ägyptischen Regierungschefs, schreibt offen: "Dieses Problem kann nur durch das Schwert gelöst werden. Es würde schwer sein, den Juden in vier Wochen den Traum von einer Nationalheimat auszureden. Sie können nur durch einen vernichtenden militärischen Schlag zur Vernunft gebracht werden."

Die Meinungen der Araber und Juden über den Nutzen des Waffenstillstandes gehen völlig auseinander. Nach arabischer Ansicht werden lediglich die Juden Nutznießer der Waffenruhe sein, da sie zur Verstärkung ihrer geschlagenen Front einer Atempause dringend bedürften. Die Juden hingegen bezeichnen die Feuereinstellung als einen politischen Sieg auf Grund militärischer Erfolge. So wird auch diese erste Friedensaktion durch Verdächtigungen vergiftet, die wenig dazu geeignet sind, einen konzilianten Verhandlungston für die Konferenz vorzubereiten.

Die einzige Hoffnung für die Weiterführung der kommenden Verhandlungen liegt in der Persönlichkeit des Grafen Bernadotte, den die Irgun Zwai Leumi allerdings bereits als einen "britischen Mietling" beschimpft haben. Der "Diplomat der Menschlichkeit", wie man den Präsidenten des Schwedischen Roten Kreuzes einmal genannt hat, hat es jedoch nicht nötig, die Aufrichtigkeit seiner Bemühungen zu beweisen. Der Neffe des schwedischen Königs hat seinen Namen schon einmal mit einer Friedensmission verbunden; in den letzten Tagen vor dem deutschen Zusammenbruch traf er mehrere Male mit Himmler zusammen der ihn um die Vermittlung einer Unterredung mit General Eisenhower gebeten hatte. Bekannter noch wurde er nach dem Krieg als Organisator des großen schwedischen Hilfswerkes für Deutschland und andere europäische Länder. Einzelne Männer seiner Art treten gerade in unserer Zeit, da die Politik meist von kollektiven Kräften bestimmt wird, besonders sichtbar hervor. Um ihrer Unabhängigkeit und ihrer Lauterkeit willen gewinnen sie in in schwierigen Tagen, in Zeiten, die entscheidend sind, das Vertrauen der Völker. M. S.