Von E. O. Paetel, New York

Alfred Neumann, "Six of Them", MacMillan, New York (deutsch: "Es waren ihrer Sechs", Neuer Verlag, Stockholm und Habel, Berlin)

Bodo Uhse, "Leutnant Bertram", deutsch: Verlag Freies Deutschland, Mexiko, Verlag Volk und Welt, Berlin; englisch: Simon and Shuster, New York.

Franz Hoellering, "Furlough", Viking Press, New York.

F. C. Weißkopf, "The Firing Squad", Alfred A. Knopf, New York.

Romane über Hitler-Deutschland, geschrieben von Angehörigen der deutschen politischen Emigration: darin lag ihr besonderer Wert. Dennoch blieb bei allen Büchern dieser Art ein zwiespältiger Eindruck. Denn ihr Autoren waren ja mehr als zwölf Jahre dem deutschen Alltag entrückt, und nur mühsam haben sie sich an die Wirklichkeit herantasten können.

Bodo Uhse hat das Schicksal eines jungen Fliegerleutnants aufgezeichnet, der nach einer Liebesepisode mit der Frau eines Vorgesetzten in den Spanischen Bürgerkrieg geht, und der dort schließlich, als beim Absprung aus dem abgeschossenen Flugzeug hinter den feindlichen Linien der eigene Freund befehlsgemäß auf ihn schießt – sehr plötzlich – erkennt, daß seine Welt eine Welt falscher Werte war. – Hoellering, der ehemalige Chef der deutschen Abteilung im amerikanischen Office of War Information, erzählt von einem Soldaten, der auf einen falschen Urlaubsschein ins Reich zurückkommt, eine kleine sudetendeutsche Stadt besucht und mit immer wachsendem Erstaunen spürt, wie die Realitäten und Problemeder Heimatfront ganz andere sind, als er sich vorgestellt hatte, und der schließlich Urlauber zur Meuterei auffordert und endlich desertiert. – Weißkopfs Buch schildert eine kleine Gruppe deutscher Soldaten, durch Zufälle mannigfacher Art zum Wachtbataillon Prag versetzt und damit plötzlich hineingestellt in eine neue Atmosphäre: Bekämpfung der tschechischen Sabotage, Einsatz als Hilfstruppe für die SS, Freiwilligenmeldung zu Erschießungskommandos. Dabei ist Weißkopf bei der psychologischen Darstellung der anonymen Durchschnittssoldaten mit bemerkenswerter Feinfühligkeit ans Werk gegangen, wenn er auch zum Schluß die Ehrenburg-Tolstoische Linie zu sehr überspitzt: es sind bei ihm nicht nur die wirklichen Nazi-Truppen, die SS vor allem, die die Unmenschlichkeiten begehen, sondern alle deutschen Soldaten haben sich im Laufe dieses Krieges daran gewöhnt, an Morden teilzunehmen; sie haben infolgedessen eine typische Mördermentalität angenommen. Obgleich sicherlich nicht beabsichtigt, kann das sehr leicht für einen emotionellen Vansittartismus ausgenutzt werden.