Die Mitropa, die vor drei Jahren vielfach in Fachkreisen und auch von ihren eigenen Aufgestellten als verloren aufgegeben worden war, ist inzwischen wieder mit einer den veränderten Verhältnissen entsprechenden Betriebskapazität aufgetaucht. Sie hat seit Kriegsende den gesamten verbliebenen Wagenpark überholt und fährt in der amerikanisch besetzten Zone gegenwärtig mit 60 gut ausgestatteten Wagen für die Besatzungsmacht und 12 Wagen für die deutsche Zivilbevölkerung, der Schlafwagen auf den Strecken Hamburg–Frankfurt, Frankfurt–München, Frankfurt–Bremerhaven, Hamburg–Würzburg und Duisburg–Köln–München zur Verfügung stehen. Speisewagen in deutschen Zugen laufen auf den Strecken Frankfurt–Müneben und Karlsruhe–Stuttgart–München; auf zehn Strecken der amerikanischen Zone wird ein ‚Wirtschaftsbetrieb mit Getränken and kalten Speisen durchgeführt. Weitere zwanzig Wagen sind noch reparaturbedürftig, sollten jedoch in nicht zu ferner Zeit wieder betriebsfähig sein, Das Unternehmen beschäftigt einschließlich einiger Bahnhofswirtschaften heute 2000 Personen gegen 8 bis 9000 vor dem Kriege.

In der US-Zone wird die Mitropa wie früher als Aktiengesellschaft betrieben; in der britischen Zone wird sie noch als Teil der Reichsbahn angesehen. Gestützt auf die günstige Intwicklung in der Nachkriegszeit hat der Verkehrsausschuß des Wirtschaftsrates den inzwischen von der Vollversammlung gebilligten Antrag auf Wiedererrichtung einer Schlafwagensellschaft ausgearbeitet. Der Alleinbetrieb von Schlaf- und Speisewagen im innerdeutschen Verkehr durch die deutsche Mitropa wird darin als erforderlich erklärt. Diese Stellungnahme des Wirtschaftsrates Ist die Antwort auf Pläne der Wagon-Lits Compagnie, mit Hilfe der französischen Militärregierung von den Besatzungsmächten der Doppelzone die Genehmigung zur Gründung einer internationalen, eng an die Wagon-Lits Cie. angelehnten Schlafwagengesellschaft auf deutschem Gebiet zu erlangen. R. S.