Eine Entwertung des Franc braucht niemanden zu beunruhigen; an einem gewissen Schuß Inflation ist noch nie ein Volk zugrunde gegangen. Sie ist zwar mit ungünstigen Rückwirkungen verbunden, so mit einer Umschichtung der Vermögen, aber vielleicht ist sie auch ein Zeichen, daß die bestehenden Vermögensverhältnisse und die damit verbundene Zinsenlast nicht mehr erträglich waren. Bei einer Entwertung der Währung kann eine neue solide Basis gefunden werden...

Solche und ähnliche Gedanken vertraten die in der französischen Währungs- und Finanzpolitik allgewaltigen Finanzinspektoren, wem man sich zwischen den beiden Kriegen in den Riumen der Bank von Frankreich oder des Finanzministeriums über das Schicksal des Franc unterhielt, der seit 1936 immer wieder den Goldwert und damit auch seinen Beinamen geändert hat. Der Franc geht auf das Mittelalter zurück, und er erwies sich besonders solid als Germinal-Franc von 1803, nach der Assignatenwirtschaft. Von nur kurzer Lebensdauer war der Poincaré-Franc, der 1928 am Golde neu verankert wurde, von noch kürzerer der Blum-, Bonnet-, Daladier-, Reynaud- und Pétain-Franc. Jetzt spricht man vom Mayer-Franc. Die Grundsätze der französischen Währungspolitik sind die gleichen geblieben. Der jetzige Finanzminister René Mayer, der seit November vorigen Jahres im Louvre herrscht, will also durch eine – allerdings gesetzlich noch nicht normierte – neue Entwertung günstigere Voraussetzungen für den Wirtschaftsaufstieg schaffen. Mit den bisherigen Ergebnissen ist er nicht unzufrieden.

Einer seiner engsten Mitarbeiter, der Notenbank-Gouverneur Monick, wies kürzlich darauf hin, daß die französische Produktion, die sich seit zwei Jahren verdoppelt habe, nunmehr ein

Achtel über dem Vorkriegsstand liege, und daß mit der Stabilisierung der Preise und Löhne wieauch mit einem weitgehenden Ausgleich des Haushalts die inflatorischen Gefahren gebannt seien. Manches rechtfertigt diesen Optimismus. Was erreicht wurde, verdankt René Mayer vorwiegend seiner drastischen Maßnahme der Demonetisierung der 5000-Franc-Noten und der neuen Devisenpolitik.

Frankreich hatte die sogenannte "Abschöpfung des Kaufkraftüberhanges" weit zögernder in Angriff genommen als die, Nachbarstaaten. Es wollte sich zunächst mit einer Anleihe begnügen, die im November 1944 ausgegeben wurde und bei einem Betrag von 164,4 Mrd. einen großen Teil der Umlaufsmittel absog, nahm aber dann doch ergänzend im Juni 1945 einen Notenumtausch vor, wodurch der Notenumlauf um etwa 100 Mrd. verringert wurde. Aber, es verblieben dennoch 445 Mrd. Francs gegen 128 vor dem Kriege im Verkehr und außerdem erhöhte sich der Umlauf bald sehr stark, da die Finanzen nicht in Ordnung kamen und die Notenbankpresse in Bewegung gesetzt werden, mußte. Der Notenumlauf hatte schon 900 Mrd. überschritten, als René Mayer Anfang dieses Jahres die 5000-Franc-Noten und damit einen Betrag von 320 Mrd. blockierte; Diese Noten wurden zwar zum Teil wieder umgetauscht, aber ein stärkeres Ansteigen des Notenumlaufes konnte vermieden werden. Ende Mai waren 768,6 Mrd. im Umlauf.

Die 5000-Franc-Noten, die einst liquide Mittel der Schwarzmarkthändler oder "Schatz" der Bauern waren, liegen jetzt zu einem wesentlichen Teil als vorläufig gesperrte Einlagen bei der Bank von Frankreich. Der Goldbestand, mit 65 Mrd., würde noch nicht neu bewertet, aber 12 Mrd. mußten verpfändet werden. Ein schwacher Punkt sind die Vorschüsse an den Staat von mehr als 700 Mrd., von denen 426 Mrd. auf die Besatzungszeit kommen. Der ordentliche Haushalt ist mit etwa 900 Mrd. Francs ausgeglichen, aber im außerordentlichen Haushalt sind noch viele Fragen offen, insbesondere die Ausgabe! für Investitionen. Vielleicht können diese Beträge über die Marshall-Hilfe, über Auslandskredite oder auch über innere Anleihen und Schatzscheinemissionen gedeckt werden. Die amtlichen Stellen sind in dieser Hinsicht schweigsam geworden. Auch der Notenbank-Gouverneur Monick hat sich hierzu nicht geäußert. Man befürchtet, daß mit dem Verbrauch der Zwangsanleihe in Herbst wieder Finanzsorgen in den Vordergrund treten werden.

Der stabile Kurs des freien Franc