In einem kleinen Tal in Kalifornien, nach dem Heiligen Josef San José benannt, wurde um das Jahr 1870 zum erstenmal einer der gefährlichsten Obstbaumschädlinge festgestellt: die San-José-Schildlaus (aspidiotus perniciosus). Von dort breitete sie sich, allen Bekämpfungsversuchen zum Trotz, allmählich über die ganze Welt aus. Deutschland wurde verhältnismäßig spät als eines der letzten europäischen Länder von dieser Plage befallen.

Auf einer Autofahrt durch ein Befallsgebiet in Baden konnte man sich von den für den Laienkaum vorstellbaren Schäden an den Obstkulturen überzeugen, die die San José verursacht. Von Darmstadt bis Rastatt und jenseits des Rheins über die ganze Pfalz reicht das schwer verseuchte Gebiet. Apfelbäume und Johannisbeersträucher sind besonders anfällig. Viele von ihnen siechen, ehe noch der Züchter den Schaden wahrgenommen hat, unrettbar dahin und bilden selbst bei aufgelockertem Baumbestand eine ernste Ansteckungsgefahr für die Nachbarbäume, da die jungen Läuse durch Windflug weitergetragen werden.

In der Umgebung von Speyer am rechten Rheinufer gingen innerhalb kürzester Frist tausende Apfelbäume ein, die offensichtlich alle direkt oder indirekt durch befallene Obstbäume aus einer benachbarten Baumschule angesteckt worden waren. Der Leiter der Biologischen Reichsanstalt für Land- und Forstwirtschaft in Wiesloch konnte feststellen, daß durch Verkauf von Obstbäumen aus dieser Baumschule die San José in weitentlegene Gebiete Deutschlands verpflanzt worden war. Auch von der in ganz Deutschland geschätzten Ladenburger Baumschule ging eine ähnliche Ansteckung aus. Die für den Versand von Obstbäumen erlassenen Desinfektionsvorschriften sollten daher streng eingehalten werden.

Drei Eigenschaften ermöglichen der San José ihr? vernichtende Wirkung: ihr starke klimatische und ökonomische Anpassungsfähigkeit und ihre enorme Vermehrung. In Dossenheim an der Bergstraße zum Beispiel gab es früher 300 Züchter, die noch im Jahre 1938 aus ihren Johannisbeer-Pflanzungen 3700 Zentner Beeren aus Dossenheim ausführten. Im Jahre 1947 konnten nur noch 175 Zentner abgegeben werden. In; diesem Jahre ist auch der Rest verloren. Im Land- und Stadtkreis Heidelberg gingen von etwa einer Million Obstbäumen 300 000 ein. In der Doppelzone gingen im vorigen Jahre durch Pflanzenerkrankungen 600 bis 700 Millionen Reichsmark verloren. In der Erkenntnis, daß die Schädlingsbekämpfung nur zentral, nicht regional mit Aussieht auf größeren Erfolg durchgeführt werden müsse, setzte der Wirtschaftsrat 4 Millionen RM für die Bekämpfung der San José aus.

Das wirksamste Bekämpfungsmittel ist das Spritzen der befallenen Bäume mit E 605 f, dem erfolgreichsten Sommer-Spritzmittel, und dem Dinitro-Ortho-Kresol, dem besten Winterspritzmittel, auch Gelbspritzmittel genannt. Es ist bedauerlich, daß die Bekämpfung der San José Zeit vielfach dadurch gehemmt ist, daß es uns an den Mineralölen und an Phosphor fehlt, die wir zur Herstellung der Bekämpfungsmittel brauchen.

–el.