Wenn König Abdullah heute dank einer kleinen, aber der schlagkräftigsten Armee des Mittleren Ostens zum großen Gegenspieler der Juden im Streit um Palästina geworden ist, so ist dies nicht zuletzt das Verdienst seines britischen Freundes, und Beraters John Bagot Glubb, dem er selbst die Würde eines Paschas und Generalsrang verlieh. Die militärische Karriere des heutigen Oberbefehlshabers der Arabischen Legion und einstigen Geschichts- und Philosophiestudenten begann 1920, als er als, Oberleutnant und "Second in command" einer Beduinentruppe zugeteilt wurde. Wie ein Araber unter Arabern zog er mit ihnen im Sattel der Kamele durch die Wüste, trug den Kephir der Beduinen und schlichtete in den Zelten der Scheichs ihre Streitigkeiten. Zehn Jahre später trat er als britischer Major in den Dienst Emir Abdullahs von Transjordanien ein und schuf ihm eine Armee, deren Stärke heute 16 000 Mann betragen soll, ausgebildet von arabischen und etwa vierzig britischen Offizieren.

Die Truppen vergöttern den kleinen, fast spießbürgerlich wirkenden Engländer, der ihre Sitten und Bräuche respektiert, jeden in seinem heimischen Dialekt anspricht und Transjordanien kennt wie seine Westentasche. Zärtlich nennen sie ihn "Abu Huneik" – Vater des kleinen Kinns – denn ein Schrapnellsplitter zerriß ihm im ersten Weltkrieg den Unterkiefer.

Als mit Beendigung des englischen Mandats für Palästina auch die britischen Offiziere der Arabischen Legion zurückkommandiert wurden, blieb nur ein einziger: Glubb Pascha. Er sei, so wurde im Unterhaus erklärt, aus britischen Diensten entlassen, so daß man ihm nicht mehr befehlen könne. Ja, es wurde sogar berichtet, der Pascha, beabsichtige seine britische Staatsangehörigkeit ganz aufzugeben, um Untertan Abdullahs zu werden. Und trotz alledem drängen manche arabische Kreise auf seine Demissionierung. Ihr Mißtrauen entbehrt nicht eines gewissen Grundes. Glubb Pascha ist der typische "mystery man" des Mittleren Ostens. Sogar Herkunft und Geburt sind mit dem Schleier des Geheimnisses umgeben. Aber man weiß, daß es ihm gelang, den irakisch-saudi-arabischen Grenzstreit nicht nur gründlich, sondern auch sehr im Sinne Englands zu beenden. Man weiß, daß er es 1941 verstand, den nationalistischen Araber-Aufstand Raschid Alis erstaunlich schnell zu unterdrücken, daß er als Mitglied des "Secret Service" eine nicht unbeträchtliche Rolle spielte, die ihm kürzlich mit der Verleihung der Lawrence-Medaille gedankt wurde. Und es ist bekannt, daß er auch das scharfe Schwert der Arabischen Legion nicht für einen unabhängigen Emir Arabiens, sondern für den treuesten Verbündeten Englands im Mittleren Osten, König Abdullah, geschmiedet hat. Niemand vermag also mit Gewißheit zu sagen, für welche Seite sich Glubb Pascha entscheiden würde, wenn einmal die Interessen Großbritanniens und Transjordaniens in Konflikt gerieten. Eines nur ist vorerst sicher: die Abberufung dieses Offiziers würde dem Zuschlagen einer Tür gleichen, das ein Echo in den arabischen Dörfern vom Persischen Golf bis Nordafrika, vom Kaspischen Meer bis zum Golf von Aden fände. H. L. Kaster/Cairo