Der folgende Bericht unseres Frankfurter Korrespondenten beruht auf Informationen eines maßgebenden Bankfachmannes. Die Sorgen der Banken, ihr Einlagenbestand möchte bei einem scharfen Schnitt (20 zu 1, wie er neuerdings als wahrscheinlich gilt) nicht ausreichen, um das erforderliche Kreditvolumen zu schaffen, stehen hier im Vordergrund.Vorläufig erscheinen uns diese Deflationssorgen unbegründet. Wechselkredite und vorsichtige Freigaben aus blockierten Beständen ermöglichen, wie wir meinen, eine ausreichende Kreditbasis und Zahlungsmittelversorgung, ohne daß eine Deflationskrise befürchtet werden müßte.

Untersuchen wir einmal, damit uns die Grenzen der neuen Kreditpolitik erkennbar werden, als ihre Grundlage das Geldvolumen, mit dem zu rechnen ist. Die Kopfquote von 60 DM, aufgeteilt auf die Bevölkerung der drei Westzonen, ergibt eine Geldsumme von rund 2,8 Mrd. DM. Die Übergangshilfe von 60 DM je Arbeitnehmer (Geschäftsgeld) macht etwa 0,6 Mrd. aus: Legt man die Zahl von 14 Mill. Beschäftigten zugrunde, zieht die in der Landwirtschaft, bei den Militärregierungen, von der öffentlichen Hand und in den Haushalten Beschäftigten ab, so bleiben etwa 10 Millionen Menschen, für die jene Quote gilt. Der öffentlichen Hand dürften etwa 2 Mrd. DM zugewandt werden, davon 1 Mrd. in Waren. Das macht zusammen einen Bargeldbestand von 4,4 Mrd. aus, sobald die Kopfquote und das Geschäftsgeld voll ausbezahlt sein werden. Davon sollte 1 Mrd. zu den Geldinstituten zurückfließen, so daß außerhalb der Banken ungefähr 3,4 Mrd. DM in Bargeld umlaufen dürften.

Der gesamte Umfang des Altgeldes einschließlich des Bankgeldvolumens wird in den drei Westzonen auf etwa 120 Mrd. geschätzt, wenn man die Einlagen von Banken bei Banken, also die reinen Primäreinlagen, abrechnet. Bei einer Umwertung von 10 : 1 ergäbe sich also ein Geldvolumen von 12 Mrd., bei einer Umrechnung von 20 : 1 wären es 6 Mrd. DM. Da aber die Kopfquote bekanntlich auf den Neugeldbetrag angerechnet wird, also bei 10 : 1 jeder, der ein Bankkonto besitzt, 600 alte bzw. 60 neue Mark als Ersatz für die Kopfquote hergeben muß, sind bei der Errechnung des gesamten Geldvolumens etwa 800 Mill. abzuziehen, um die sich die Konten in Anrechnung der Kopfquote reduzieren. Wenn an Geschäftsbeträgen 600 Mill. DM in Anspruch genommen werden, so ergibt das Bankgeldvolumen etwa folgendes Bild, falls 5 v. H. des alten Geldes in neuer Währung angerechnet werden sollten: Von den 6 Mrd. (5 v. H. von 120 Mrd.) sind 2 Mrd. Kopfgeld und 600 Mill. Geschäftsgeld abzurechnen, so daß nur 3,4 Mrd. DM Bankgeld bleiben.

Bei einer Umstellung auf 10 v. H. sähe die Rechnung so aus: Von 12 Mrd. (10 v. H. von 120 Mrd.) wären wieder 2,6 Mrd. abzuziehen, so daß das Bankgeldvolumen 9,4 Mrd. ausmacht. Dazu sind aber folgende Rückflüsse zu addieren: etwa 1 Mrd. aus der öffentlichen Hand und 1 Mrd. aus den Kopfgeldbeträgen, so daß sich bei einem Umrechnungsverhältnis zwischen altem und neuem Geld von 20 : 1 ein Bankgeldvolumen von schätzungsweise 5,4 Mrd., bei einer Umrechnung von 10 : 1 H. ein Bankgeldvolumen von 11,4 Mrd. DM ergäbe. Da Liquiditätsreserven der Banken bei den Landeszentralbanken bekanntlich nach den Einlagen berechnet werden, kommt dem Umrechnungskoeffizienten in der Frage der Liquiditätsreserven und damit der Kreditgewährung entscheidende Bedeutung zu. Wie man hört, soll am Wochenende in Verhandlungen mit den Besatzungsmächten von der Bank Deutscher Länder dringend darauf hingewiesen worden sein, daß, wenn der Umrechnungskoeffizient auf weniger als 10 v. H. festgesetzt werden sollte, das Geldvolumen für die Kreditgewährung zu gering sein dürfte.

In maßgebenden deutschen Fachkreisen hört man die Auffassung, daß die Kopfquote eher zu hoch, die Freiquote zu niedrig bemessen erscheine. Ursprünglich seien andere Relationen vorgesehen gewesen, aber die deutschen Politiker hätten aus psychologischen Gründen auf eine Änderung der Kopfquote gedrängt. Es gibt auch Fachleute, die im Hinblick auf den Notenumlauf vom Jahre 1933, der einschließlich des Giralgeldes für das gesamte damalige Reichsgebiet etwa 12 Mrd. RM ausmachte, also rund 8 Mrd. für die drei Westzonen, Bedenken gegen eine Ausdehnung des Geldvolumens über diese Grenze äußern. Sie plädieren für eine stark differenzierte Freiquote. Je nach der Rentabilität eines Unternehmens sollte sie im Zuge einer elastischen Kreditpolitik höhe oder niedriger gehalten werden, wobei man sich unter Umständen der sogenannten "Schattenquote" als Besserungsschein bedienen möchte, der, wie man hört, je nach den Erfahrungen, die man in den er.sten Stadien der Währungsreform machen wird, in Erwägung gezogen und über die erwählen 10 oder 5 v. H. der Freiquote hinausgehen soll.

Dem Vernehmen nach wird mit einem hohen Diskontsatz gerechnet. Für Warenwechsel dürfte er zwischen 6 und 8 v. H. liegen. Es verlautet, daß von alliierter Seite sogar ein noch höherer Diskontsatz gefordert worden war. Diese Belastung wird, da ja vielleicht (törichterweise) doch noch die Wechselsteuer hinzutritt; die Kalkulationen aufs äußerste anspannen.

Im ganzen lautet das Urteil, bei ausgesprochener Zurückhaltung in den Kommentaren, doch dahin, daß die ersten Maßnahmen der Reform eine durchaus positiv zu wertende Grundlage geschaffen haben. Im Übrigen werden die sogenannten Voraussetzungen, die früher geltend gemacht worden sind, wieder hervorgeholt: Diesmal freilich nicht als Voraussetzungen für den Beginn einer Reform, sondern als solche für deren Gelingen. Abbau der Handelsschranken, Senkung der Besatzungskosten, schnelles Anlaufen des Marshall-Planes, Erlaß eines Kohlen-Moratoriums – das sind etwa die Hauptforderungen. Wesentlicher als alles andere dürfte die Freigabe der Bewirtschaftung (und. zugleich die Preise natürlich!) für möglichst viel Gegenstände destäglichen Bedarfs und für einen möglichst breiten Ausschnitt auf dem Ernährungsgebiet sein, wobei Gemüse und Obst in erster Linie zu nennen sind.