Walter Bloem hat zwar – und dies nicht nur als Autor des "Krassen Fuchs" – einige Bücher geschrieben, die heute nicht mehr aktuell sind. Was desto mehr, interessieren mag, ist die Tatsache, daß er ein Kenner der Goetheschen "Faust-Dichtung" von – hohen Graden ist. Er ist zugleich ein Freund der französischen Literatur, die er heute um eine wohlgelungene Übertragung des "Faust" bereichert sieht.

In Frankreich ist eine "Faust"-Übersetzung herausgekommen, für die in einer Vorrede von P. Schmittlein, Inspecteur General de l’Enseignement français à l’étranger, Directeur de l’education publique pour la zone française d’occupation en Allemagne, der Anspruch erhoben wird, daß sie die erste vollständige Übersetzung des Goetheschen Werkes in Versen sei – eine Überraschung, die um so größer sein werde, als sie das Werk eines Offiziers der französischen Besatzungszone sei, des Kommandanten und Gouverneurs P. Brégeault de Chastenay.

Zwar ist bisher nur ein erster Band erschienen; er enthält den Ersten Teil und den ersten Akt des Zweiten. Das reicht natürlich für eine Beurteilung der Gesamtleistung. Und wir haben Grund, das Werk als eine geistige Großtat allerersten Ranges zu begrüßen. Der bis dahin unbekannte Autor, dessen Name klingt wie aus einem Sirventes des Bertran de Born herausgeschnitten, ist zweifellos ein großer Dichter und obendrein ein Arbeiter von heroischem Leistungsvermögen. Das Gesamtwerk dürfte mindestens 12 000 Verszeilen umfassen! Dabei erreicht die Übertragung in einem vorher fast unvorstellbaren Maße die Wirkung daß es, soweit das in einer fremden Sprache überhaupt möglich ist, sogar das Klangbild des Goetheschen Originals wiedergibt – obwohl der Nachdichter häufig statt des Blaneverses, der dem französischen Sprachgenius nun einmal nicht liegt, den ihmvertrauten Alexan – driner wählt, auch für das Reimgebäude der Stanze. Als Probe diene gleich die erste Strophe der "Dédicace", der Zuneigung: Vous voici revenir, évanescentes formes,

Qu’à mon regard trouble montrait l’aube autrefois.

Ne saurai-je à jamais vous fixer cette fois

D’un coeur, toujours fidèle a rêves énormes?