Dieser aber führte mit sicherer Stimme die begonnene Rede fort:

"Wie Sie mich, hier sehen", sagte er, "bin ich bereit, mich zu verkaufen. Wußten Sie, daß die Römer vor zweitausend Jahren die Sigambrer hier am Rhein ansiedelten? Klabrias, mein römischer Vorfahr, der Feldhauptmann des Tiberius, war der erste Freigelassene meines Geschlechts. Mir ist es bestimmt, der letzte zu sein. Bisher übte ich noch den freiesten aller Berufe aus, den eines Diplomaten, eines Gesandten, genauer gesagt. Die dabei erworbenen Umgangsformen dürften mich zum Kammerdiener empfehlen. Ich wurde in lautlosen Autos gefahren. Ich habe von goldenen Servicen gespeist. Die Palme hier ist das Präsent eines Staatspräsidenten. Ich bringe sie in meinen neuen Dienst mit ein, die Palme eines Mächtigen. So jemand auf uns bieten will, auf mich und die Palme, ich erwarte sein Gebot!"

Kein Mensch gab ein Gebot ab. Schweigen herrschte, bis endlich einer von der Wand herüberrief:

"Aufs Pferd, der alte Römer!"

Während mißfälliges Lachen aufklang und sich gluckernd im Dunkeln fortbreitete, stand der Fremde breit und unbewegt da und erwartete das Verebben des Lärms.

Da riß die Lehrerin plötzlich den Bügel ihrer roten Tasche auf, hastete deren Inhalt durch, und dann überfiel sie das Weinen, bevor sie das Tüchlein gefunden.

"Aber warum denn gleich betteln!" flüsterte sie. "Ein Diplomat geht doch nicht in die Wartesäle betteln. Was für ein Unglück!"