Nachdem es erst den Anschein gehabt hatte, als ob der Gesandte diese Belästigung überhaupt nicht zur Kenntnis nehmen, wollte, entzog er sich ihr plötzlich indem er einfach aufstand und ging. Die Palme ließ er zurück. Er hatte sie vergessen, wie Gruß und Abschied und alles.

Aber sie wurde abgeholt. Noch während die beiden am Tisch Verbliebenen die Füße hoben, und ihren Umstand mit dem Kehrer hatten, kam jemand, die Palme abzuholen.

Man bemerkte den Boten spät, eigentlich erst, als das Bäumchen schon ins Schwanken geraten und, man nach der Ursache zu sehen gezwungen war. Da erst erblickte der Glasreisende das; Kind, das sich abmühte, den Topf zu sich heranzuziehen. Es war ein Mädchen, zehnjährig vielleicht, in einer dunkel wollenen Pelerine, mit dem angestrengt ernsten Ausdruck kleiner Menschen, die vorzeitig vom Spielen abgekommen sind.

"Na, du", sagte die Lehrerin und faßte das Kind an seinem Umhang, "willst du das wohl, stehen lassen!" Das Mädchen sah das Blusenfräulein mit abweisendem Erstaunen an. Dann schob es die fremde Hand mit der Bewegung einer Erwachsenen, gleichmütig von sich ab und trug die Palme von dannen.

Da rief ihr das gelbblusige Fräulein etwas ganz Heftiges, Bitterböses nach. Man konnte gar nicht verstehen, warum. Aber nun mischte sich der kehrende Greis ein. Er hatte eine große leuchtende Stirn wie Johannes auf Patmos. Und so trat er auch aus dem Dunkeln,

"Sie vertritt Mutterstelle an ihrem Vater", sagte er sanft. "Er hat zuviel Schule genossen. Und wenn andere weinen und folgsam sind, dann trinkt er und erzählt von alten Römern. Dann macht sich das Kind auf, ihn zu stehen. Ein Kellner soll viel wissen, aber wenig sagen. Dieser war in Kairo, wie alle Kellner, in der Höhen Tatra und dann hier in der ersten Klasse mit Dienstwohnung in diesem Bahnhof. Nun ist keine Demut mehr in seiner Seele. Seine Frau hieß Edith und war aus England. Trotzdem fiel ihr ein Balken dieses Bahnhofs auf den Kopf und sie war sofort tot, noch bevor es Entwarnung blies. Vielleicht hat die Palme an ihrem Sarg gestanden, wenn sie einen gehabt hat. Die Palme und das Kind. Es sind viele Züge gefahren seitdem. Aber sagen Sie selbst, braucht man hier noch Kellner? Früher waren wir Kollegen. Jetzt kehre ich, und er maskiert sich. Ich möchte mich auch einmal maskieren, aber ich habe keine Schule genossen. Ohne Maskerade kann man ja heutzutage gar nicht mehr leben."

"Kellner? Sieh da", sagte die Lehrerin. "Ich dachte immer Botschafter." Und plötzlich rief sie auch dem Greis, der ins Dunkle zurückgetreten war und weiterkehrte, etwas Heftiges, Böses nach.