Aus den Hochseefischereihäfen Hamburg-Altona, Bremerhaven und Cuxhaven sind die ersten Fischdampfer zum diesjährigen Heringsfang, der sogenannten „Deutschen Saison“, ausgelaufen. Mit frischem Anstrich und verbesserter Ausrüstung haben sie nach kurzer Überholung die Werften verlassen, um nach dem Fladengrund und später nach dem Gat, der Doggerbank und den ’übrigen Fischgründen der Nordsee auf Heringsfang zu gehen. Deutschland verfügt in den drei Häfen in diesem Jahr über 164 Fischdampfer (vor dem Kriege waren es 365). Im Gegensatz zu den Vorjahren hofft die Fischindustrie in der Lage zu sein, die Heringsfänge bevorzugt zur Herstellung von Vollkonserven und von Bücklingen verwenden zu können, da sich der Salzhering in der Verbraucherschaft keiner allgemeinen Beliebtheit erfreut.

Auf eigene Frischfischanlandungen werden wir allerdings bis Ende Oktober verzichten müssen, weil die Dampfer ohne Ausnahme auf Heringsfang geschickt werden. Die Frischfischversorgung wird daher jetzt mit den Einfuhren aus Island und England bestritten werden müssen. Bedauerlich bleibt, daß bisher alle Bemühungen, auch aus Dänemark Fischeinfuhren zu bekommen, erfolglos waren.

Ein weiteres Ansteigen der Vorjahrsfänge von 95 000 t ist in diesem Jahre zu erwarten und wäre im Interesse der Winterbevorratung für die Bevölkerung der Westzonen und Berlins nur zu begrüßen. Der Ausbau der Fischerei-Flotte, zur Verbesserung unserer Versorgung so dringend nötig, ist leider durch die ungeklärte Kre-. ditlage nach der Währungsreform erneut gefährdet. Von den im November 1946 durch den Kontrollrat genehmigten 100 Neubauten wurden bisher erst auf Werften in Hamburg, Bremen, Lübeck und Flensburg 34 Fischdampfer zu je 400 t begonnen. Jetzt sahen die Reeder sich gezwungen, diese Neubauten stillzulegen. Die von uns mehrfach beanstandete Verschleppung des Baubeginns nach der bereits im November 1946 erfolgten Genehmigung, für die allerdings deutsche Dienststellen nicht immer verantwortlich waren, rächt sich nun in bitterster Form: Es entschwinden für die deutsche Hochseefischerei langsam aber sicher alle Hoffnungen, im Frühjahr 1949 wenigstens einige Neubauten in den Dienst stellen zu können, um durch eigene Kraft eine Erhöhung der Fischanlandungen zu erreichen. ww.