Bislang schien es, als sei der Abwehrkampf Washingtons gegen den Kommunismus „im eigenen Land“ lediglich Ausdruck einer Psychose. Schuld daran trug die allzu filmisch aufgezogene Szene des „Komitees für un-amerikanische Umtriebe“, auf der Monate hindurch ganz Hollywood sich ein vielumstrittenes Stelldichein gab. Die vorübergehende Verhaftung der führenden Kommunisten in den Vereinigten Staaten und der ihnen angesagte Prozeß wegen eines „beabsichtigten gewaltsamen Umsturzes“ zeigt nunmehr, wie ernsthaft die USA auch nach innen zum Antikommunismus entschlossen sind. Zwei Momente kennzeichneten schon seit mehr als Jahresfrist ihre zunehmende Entschiedenheit, draußen und drinnen den völligen Abbau der Moskauer Bündnispolitik Roosevelts zu verwirklichen: einmal das von Marshall eingerichtete „Oberkommando für diplomatische Planung“ innerhalb des State Department mit seinem Vierjahresprogramm „zur Ausrottung der Keime des Totalitarismus und des Kommunismus in Europa“ und ferner ein von dem Republikaner Mundt zusammen mit dem Demokraten Rankin eingebrachter Gesetzesvorschlag, der indirekt das Verbot der kommunistischen Partei in den Vereinigten Staaten bezweckt. Einspruch gegen die immer wieder hinausgezögerte Annahme dieses Gesetzes war bei aller bisher betonten Zurückhaltung Trumans nur von Henry Wallace zu erwarten. Tom Dewey, Gouverneur von New York und republikanischer Präsidentschaftskandidat, hat an seiner Einstellung keinen Zweifel aufkommen lassen. Er schritt am Ostermontag dieses Jahres auf eigene Faust zum Verbot der kommunistischen Partei für den Staat New York, Daß jetzt die Verhaftung der kommunistischen Funktionäre zwei Tage vor dem ersten National-, konvent der von Wallace geführten „Dritten Partei“ stattfand, dürfte kaum ein Zufall sein.

Überraschen konnte dieser Schritt Washington? nicht. Er ist ebenso wie das beinahe gleichzeitig von London ausgesprochene Verbot aller kommunistischen Organisationen in Malaya und Singapur nur ein Symptom mehr für den Versuch, die fortschreitende kommunistische Infiltration einzudämmen. Die Wiederauferstehung der Komintern in Gestalt des Kominform im Herbst 1947 machte dem von den Westmächten seit 1944 hoffnungsvoll gehegten Traum von einem Verzieht Moskaus auf die Weltrevolution und von einem Einschwenken der sowjetischen Politik in die demokratische Linie endgültig ein Ende. Den entscheidenden Alarm aber gab Prag. Da erkannte nicht nur Atlee plötzlich die „Feinde in unserer Mitte“, auch die Regierungen Norwegens, Dänemarks und Hollands sprachen sich gegen die Kommunisten aus. Die Blockade Berlins end-> lich hat auch die Länderparlamente des deutschen Westens noch einmal vor die Alternative gestellt, der sich bereits im Februar dieses Jahres der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen gegenübersah, als er seinen beiden kommunistischen Ministern die weitere Mitarbeit in einer „landesverräterischen“ Regierung ersparte Da? Mißtrauen, das die Hamburger Bürgerschaft und der württembergisch-badische Landtag, in Stuttgarter gleichen Zeit den beiden letzten kommunistischen Regierungsmitgliedern der Doppelzone ausgesprochen haben, war die Antwort auf eine Politik, die die Abhängigkeit von einer fremden Macht über die Interessen des eigenen Volkes stellt.