Ein Buch von Pascual Jordan

Das neue Buch von Pascual Jordan „Das Bild der neuen Physik“, erschienen im Strom-Verlag Hamburg-Bergedorf, ergänzt die bekannten Schriften „Die Physik des 20. Jahrhunderts“ und „Die Physik und das Geheimnis des organischen Lebens“. Es bringt Vorträge und Einzelschriften über Quantenphysik und Quantenbiologie. Die moderne Biologie erkennt immer mehr, daß die physiologischen Vorgänge im Organismus von allergeringsten Mengen von Hormonen ausgelöst und von den Eiweißmolekülen des Zellprotoplasmas her gesteuert werden. Insbesondere lenken die in den Keimzellen sitzenden Gene, die Träger der Erbanlagen, die sich nunmehr als einzelne Rieseneiweismoleküle wie die Viruseinheiten herausstellen, die gesamte Entwicklung des neu entstehenden Individuums. 1932 stellte Jordan die These auf, daß die Steuerungszentren und somit die „Träger des Lebens“ einzelne Moleküle seien, und daß der ursprüngliche Steuerungsakt die physikalische Veränderung des Moleküls, das heißt ein Quantensprung sei. Da nach den Ergebnissen der Quantenphysik die Quantensprünge nicht kausal determiniert sind, sondern dem „Zufall“ überlassen bleiben, würden nach dieser „Verstärkertheorie der Organismen“, um die heute lebhaft diskutiert wird, die Lebensvorgänge und die auf Genmutationen (von Jordan als Quantensprung gedeutet) beruhende Entstehung neuer Arten aus freien schöpferischen Akten hervorgehen. In diesem Lichte gesehen, gibt es Tatsachen, die darauf hindeuten, daß das gesamte organische Leben womöglich von einem einzigen Eiweißmolekül abstammt, nämlich von jenem, das als erstes die Fähigkeit hatte, sich selbst „autokatalytisch“ zu verdoppeln. Der Schöpfungsakt dieses Eiweißmoleküls wäre die Urzeugung. Das Schlußkapitel „Vom Werden des Kosmos“ bringt phantastische, wenn auch noch unsichere Spekulationen aus der Astrophysik. Der besondere Reiz der Jordanschen Bücher besteht darin, daß der so spekulative Forscher von sich selbst immer behauptet, erkenntnistheoretischer Positivist zu sein. Dem Laien dürfte die knappe Form allerdings ein Eindringen in die Gegenwartsproblematik der Physik erschweren. Berthold Lammert