Es überrascht nicht, daß gerade im Slhungrigen Europa, dessen Bedarfsdeckung nit dem Im port steht und fällt, die neue Phase ii der USAErdölwirtschaft einen so nachhaltigen Eindruck hinterläßt. Der riesenhaft ansteigende innere Verbrauch zwingt die Vereinigten Staaten zu steigenden Importen. Ihre ölbilanz wird passiv und die traditionelle Erdöiversorguag Europas aus der westlichen Hemisphäre muß einer Neu. Orientierung Platz machen. Als künftige europä ische Versorgungsquelle ist der Mittlere Osten vorgesehen. Was bedeutet das in der Welterdölsituation? Hier soll die Beantwortung dieser Frage versucht werden, wobei die zilermäßigen Unterlagen einem Vortrag entnommen rind, den kürzlich Mr. Bauer, der Leiter der Volkswirtschaftlichen Abteilung der Standard Oil Company N. J (Esso) in den USA gehalten hat. Nach Schluß des ersten Weltkrieges verbraucht die Welt 535 Mill. Faß Erdöl und Ercölprodukte (l Faß gleich 158 89 Ltr nach Schluß des zweiten Weltkrieges 2 2 Mrd, 1946 2 8 Mrd , 1947 ergab sich eine Zunahme um 10 T. H. auf fast 3 0 Mrd, 1951 dürfte mai nahe an die" 4 Mrd Grenze herankommen. Auf die USA entfallen dabei ziemlich konstant rund drei Fünftel des Gesamtverbrauchs, bei einer Steigerung gegenüber 1919 auf das Sechsfache. Die internationale Bedarfsdeckung von 1951 setzt eine Zunahme der Weltölfördenmg tmd der Raffineriekapazität um 2 Mill. Faß je Tag gegenüber 1947 voraus. Rund 10 Mrd. S neues Kapital erfordern die dafür vorgesehenen ErweiteningspfOgramme s Aufgaben wn bisher selbst in der ÖTwirtschaft kaum, erreichten Umfang, In Erdöl weisen die Mafshall Ltnder einschließlich Westdeutschland ungünstigst Bilanz auf. Die Spanne zwischen Bedarf n! Deckung aus eigener Produktion ist hier gröHer als ii anderen Verbrauchsgebieten. 1947 betrug ihr 35 000 Faß kamen dabei aus der eigeien Förderung. Von den rund 200 000 Faß täglichen Importen lieferte der karibisdie Distrilt (hauptsächlich Venezuela) etwa 50 v. H, der Mittlere Osten 40 v. H. 1951 wird der Rohölkdarf auf schätzungsweise 650 000 FTjmsteigei, zu dem die eigene Förderung etwa 50 000 Faß beisteuern kann. Für die Importe von 600000 FTsplI völlig der Mittlere Osten eintreten, und dies charakterisiert die neue Situation (FT = Faß je Tag.

Eine älmliche Umstellung, wenn auch nicht so" scharf ausgeprägt, ergibt sich bei den RohSl1947 etwa 792000 FT. Die europäischen Raffinerien steuerten 252 000 Faß bei. Die Einfuhrea verteilten sich auf folgende Herkunftsgebietet USA sowie Mittlerer Osten fe etwa 135 000 Faß und Karibischer Distrikt rund 260 000 Faß. Mit der Realisierung der weitreichenden Raffinerieplane in Westeuropa hofft man, die RaffinerieLeistung der Marshalt Lander und Westdeutschlands vonden heutigen- 252 €00 Faß ]e Tag bis 1951 auf 678 000 FT erhöhen zu können. Da aber bis zu diesem Zeitpunkt der Gestmtbedarf an RobMerzeugnisseis auf fast 1 3 Mill. Faß steigen wird, müssen auch die Importe auf etwa 613 000 FT heraufgesetzt werden Bei völligem Stellung im Marshäll Plaa ist nunmehr vertraglich festgelegt worden. Durch die Militärgouverneure der britischen und amerikanischen Zone Ist am 14. Juli ein Abkommen über- wirtschaftliche Zusammenarbeit" mit d?r USA Regierung in Berlin unterzeichnet worden. Für die französische Zone ist offenbar ein besonderer Vertrag vorgesehen Das Fehlen einer deutschen Unterschrift braucht nicht die Befürchtung aufkommen Iassen daß die grundsätzlich für Westdeutschland vor" gesehene Gleichstellung mit den übrigen sechzehn MarshaM Plan Landera im Text verwischt worden wäre. Vielmehr wird in der Präambel festgelegt, daß der europäische Wiederaufbau größtenteils auf der Herstellung gesunder Wirtschaftsbedingungen Üad stabüer zwischenstaatlicher Wirtschaftsbealehungen beruhe und fm Aftikäl l heißt e% daß dem Vereinigten Besatzungsgebiet, durch die MäItärgoDVefie tte Warto, Dienstleistungen und andere Hilfsleistungen "zu d?n in europäischen Hilfsprogramm niedergelegter Bedingungen" zugänglich geuiaeht werden, i Zur späteren Rückerstattung sollen die Exporterlöse herangezogen:, werden, "sobalc die auf gesunder, nicht aggressiver Basis wiederaufgerichtete deutsche Wirtschaft dies zuläßt". Die Rüdtzahlungäregelung soll für die USA mindestens so günstig sein, wie die im Abkommen über die Schaffung der Doppelzone vom Dezember 1946 vorgesehene Regelung. Dazu haßt es Im Zweizonenpakt: "Die Ausfuhrerträge, werden in erster Linie zur Bereitstellung von Einfahren der Kategorie B (Einfuhren, die dem Ziele Doppelzone bis Ende 1949 zu erreichen) dienen, bis ein Überschuß an Ausfuhrerträgen über die Kosten dieser Einfuhren erzielt ist!" Ton den übrigen Bestimmungen des Marshall Plan Abkommens sind vor allem interessant die "transfertionen, die Verpflichtungr Mangelrohstoffe, soweit möglich, den USA zu angemessenen Preisen zur Verfügung zu stellen and ihre Erzeugung möglichst zu fördern, Reiseerieichterwngen für amerikanische Staatsangehörige und die Verpflichtung für die Militirgouvemeure t eme San Entlastung der USA Reck ung im brttisea- amerikanischen Besatzungsgebiet zuzulassen and ihr 1Ausfall der USA werden sich im Jahre 1951 der karibisdie Distrikt und der Mittlere Osten in die westeuropäische Versorgung an Mineralerzeugnissen zu teilen haben.

Die Belieferung der Marshall Länder und Westdeutschlands wird also 1951 bei Rohöl völlig und bei Mineralölerzeugnissen zu 50 v. H vom Mittleren Osten abhängig sein. Unter diesem Gesichtspunkt müssen mär die" internationalen Erdölprobleme betrachten.

Mit den USA verbinden wir den Gedanken des ölreichturns, Dies trifft auch heute noch zu. Die Vereinigten Staaten förderten- 1947 62 v. H. derWehproduktion. Trotz des sshr hohen Aateils ist es nur unter Schwierigkeiten möglich, dem sich dauernd erweiternden Inlandsbedarf gerecht zu werden. Autos, landwirtschaftliche Traktofen, Diesellokomotiven, Ölheizung usw erfordern ständig mehr Betriebsstoff. Im vergangenen Jahr ergab sich in der Rohölbilanz der USA bei 5 224 000 FT Bedarf ein Importüberschuß von 142000 FT. Dieser Einfuhrüberschuß ist kein zufälliges "Ergebnis, sondern der Beginn einer neuen Ära. 1951 wird unter Annahme einer Nachfrage von 5 740 000 Bt und einer heimischen Versorgung von 5 300 000 BT das Defizit auf 440 000 BT anwachsen.

Wie denkt man sich In den USA die Deckung dieses Rohöldefizits. Die nächste und natürliche Ergänzung bietet sichIm Bereich der westlichen Hemisphäre selbst. Daraus ergeben sich verstärkte Bemühungen um eine gemeinsame Erdölpolitik Nordamerikas und Südamerikas von selbst Die Rohölförderleistungen der westlichen Hemisphäre außerhalb der USA erreichten 1947 etwa 1 577 000 FT (davon l 187 000 FT In Venezuela). Ihr Bedarf stellte sich auf l 333 000 FT. Es verblieb also rechnerisch- eine Nettoexportmögiicbkeit von 24 8000 FT, die nach Abzug tes USA Defizits noch immer ein Plus offen ließ. Für 1951 präsentiert die westliche Hemisphäre äußerhalb der USA folgende Rechnung: heimische "Versorgung 2 037 000 FT heimischer Verbrauch 1669000 FT, Exportüberschuß 338 000 FT — das bei dem ia den USA erwarteten Defizit von 440 000 FT. Eine Vollausnatzung der Raffineriekapazitäten der westlichen Hemisphäre ist also auf weite Sicht nur unter zsätKÜÄea EohöUieferungen aus dem Mittleren Osten denkbar. Diese Vollbeschäftigung ist aber zum Ausgleich der unzureichendes Raffinerlekapazitätea Europas dringend erforderlich.

Zieht man die Mineralölerzeugniss in die Rechnung ein, so ergibt sich ebenfalls, daß bei Vollbeschäftigung der Raffineriekapazitäten nach entsprechender Zufuhr von Mittelostrohöl di westliche Hemisphäre 195t nicht nur das USA Defizirdecken, sondern auch den erwähntes Export aach dea Marshall Ländera crmögüchea kann , Der "Mittlere "Osten" — Iran, Saudi Arabien, Kowait, Bahrein önd Irak — enthielt 1947 rund 42 T. H der "sicheren" Erdölreserven der Weit (der Anteil der USA stellte sich auf 36 v. H ), Aber: Die Produktion in den USA liegt weit über denf prozentualen Anteil an den Reserven, Die Förderung des Mittleren Ostsns hingegen 3Es ist ]edoch zu hoffen, daß in noch stärkerem Maße als bisher die verantwortlichen deutschen Stellen bei der Aufstellung äes Programms für Westdeutschland herangezogen werden und auch die erforderlichen Unterlagen aus Washington und vom Pariser Büro zur Verfügung gestellt werden. Darüber hinaus kann man nur wünschens daß die grundsätzlich von Höfimam gebilligt Finanzierung des innereuropäischen Handels durch multilaterales Clearing, also die sogenannte "Europa Devise", mit Hilfe" einer von deutschen Stellen maßgeblich beeinflußten deutschen Handelspolitik für "Westdeutschland nutzbar gemacht werden kann. Dann wird es möglich werden, daß Westdeutschland seinen bestimmt nicht unerheblichen Beitrag, zum europäischen Wiederaufbau leisten kann eg. Sentspricht nodi in keiner Weise deo großen Möglichkeiten dieses Gebiets; ihn wird auf Grund der großen Vorkommen eines Tages zwangsläufig die Führung in der "Weltproduktion zufallen. Die Förderung je Bohrung überragt bei weitem die Leistung der übrigen Erdölgebiete. Ende 1947 Förderte man im Mittelosten täglich etwa 940000 Faß Rohöl, der Raffineriedurchsatr erreichte etwa 733 000 Faß am Tag. Dabei lagen 42 v. H der Erdölförderung und 32 6 v. H des Raffineriedurchsatzes in Händen von amerikanischen Gesellschaften, Nun noch einiges zur Lage in den einzelnen Staaten. Die Produktton im Irak konzentriert sich auf das Kirkuk Feld, das etwas über 90 000 FT liefert. Zwei Ölleitungen sorgen für den Transport. Die eine endet in Tripoli, wo sich eine kleine Raffinerbanlage befindet. Die zweite bedient die große Raffinerie von Haifa, die kürzlich wegen der dortigen Verwicklangen vorübergehend ausfiel. Zwei iKue, von Kirkuk ausgehende Leitungen mit einem täglichen Durchfluß von je 95 000 Faß sind In Konstraktion. Nach dem Plan soll die Haifalinie 1951 den Betrieb aufnehmen. Eine Verdoppelang der Haifa Raffinerie Kapazität ist vorgesehen. Nach Inbetriebnahme der neuen Linie können die Transportmöglichkeiten aus dem Irak auf 275 000 FT erhöht werden, von denen 175 000 FT für die Raffinerien in Haifa und Tripoli und 100 000 FT für den Export nach Europa veranschlagt sind. Die irakische Produktion liegt in Händen der Iraq Petroleum Co, der früheren Turkish Petroleum Co, einer Gemeinschaftsbeteiligung der Compagnie Franalse des Petroks, der Royal Durch, der Anglo Iranian Oii Co, der Socony Vacuum Oil Co und der Standard Oll Company (New Jersey) Auf der Bähreinimel kam nach sehr mühevollen Vorarbeiten und Ausgaben von 10 Mili $ die Förderung 1938 in Gang Die großen Entdeckungen auf Bahrein und in Saudi Arabien fallen in die Zeit des Kriegsendes. Heute zählt fjaudi Arabien zu den großen Hoffnungen und ist kaum geringer elnzßschätzen als der Iran. Die Konzession gehört der Arabian American Oil Co (Aramco), deren Anteile von der- Standard Oil Co of California und der Texas Co kontrolliert werden;, eine Int eressennahme zu 30 v. H seitens der. Jersey Standard (Esso) ist vorgesehen. Von der Aramco wurde in Ras Tamira am Persischen Golf eine große Raffinerie erstellt. Dort und in der Raffinerie auf Bahrein gelangen täglich 225 000 Faß Rohöl zur Verarbeitung, der Rst von 100 000 FT geht als Rohware in den Export. Eine Minderung der hohen Tankfrachtkosten für das Mittelostöl und der Wegfall der Suez Kanal Gebühren Ist " mit der Inbetriebnahme der großen transarablschen Pipeline in Sicht. Bauherr ist die Trans Arabian Pipe Linie Co, eine gemeinsame. Gründung der Aramcoteilhaber. Die Pipeline wird Ras Tanura mit der Mittelmeerküste (wahrscheinlich Sidon im Libanon) verbinden. Sie wird täglich 300 000 Faß durchschleusen können, und soll Mitte 1950 fertiggestellt sein.

Sehr aussichtsreich ist Kuwait zu beurteilen. 1951 hofft man das fünffache der letztjährigen Leistung, also 500000 FT zu erreichen. Eine Raffinerie mit einer Verarbeitungskapazität von 200 000 FT soll errichtet werden! Vor kurzem ist für die Erstellung einer Leitung zum Rohöltransport von Kuwait und dem Iran nach dem Mittelmeer die Middle Hast Pipdine ins Leben gerufen worden. Diese Leitung soll bei einem Rekorddurchmesser voa 34—36 Zoll über Va Million Faß am Tag bewältigen; ma n rechnet mit ihrer Eröffnung Im Juli 1952.