Der Tova-Film-Gesellschaft, Berlin, schwebte vor, einen Film zu machen mit der moralischen Belehrung, "daß man eine Ehe nur eingehensollte mit einem Menschen, zu dem man wirklich innerlich und menschlich gehört." Im Hamburger Gapitol fand die Uraufführung dieses Films "Beate" "statt. Ein Heimkehrer klopft an die Tür seiner Ersatzwohnung, die seine Frau Lydia nach fünf Tagen Ehe und sechs Jahren Wartezeit schimpfend verlassen hat. Er trifft ihre jüngere Schwester Beate, die ihr zum Verwechseln ähnlich sieht. Er verwechselt sie. Siehst Mitleid. Eine böse Nachbarin klatscht. Er macht Beate eine Szene und meint Lydia. Das Wohnungsamt klärt ihn auf, daß Beate – Beate ist. Er entdeckt kurzentschlossen seine Liebe zu Beate. Nur Beate hat gelernt und macht keine Versprechungen. Man könnte jetzt Schiller zitieren "Drum prüfe...", aber wir wollen Schiller aus dem Spiele lassen?

Das alles ist sehr vordergründig, ganz eindeutig. Nirgends der Versuch, mit künstlerischen Mitteln in die Tiefe zu dringen. Ganz offensichtlich bestand weder vom Drehbuch noch von der Regie noch von der Gesamtausführung her die Absicht, das Niveau. trivialer Unterhaltung Zu überschreiten. Wir vermerken pflichtgemäß diese "Welturaufführung", könnten uns allerdingsunser knappes Filmrohmaterial fruchtbarer verwandt denken.

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an ist versucht zu sagen, daß Heinz Hilpertals Regisseur des Films "Der Herr vom andern Stern" seine Aufgaben gut gelöst habe. (Harvestehuder Lichtspiele, Hamburg.) Aber Aufgaben gut gelöst zu haben, bedeutet noch nicht, einen guten Film gemacht zu haben. – Ein Sternenbewohner hat sich auf die Erde verirrt, gerät in die Arme, eines liebenden Mädchens und in die Fallgruben der modernen, total entseelten Zivilisation; je mehr er sich ins Irdische verstrickt, desto mehr schwinden ihm die überirdischen Fähigkeiten, bis er sich – fluchtartig mit letzter Kraft von hinnen stiehlt. Kurzum: Welchreizendes Thema wurde hier vertan. Ja, vertan! Im spielerisch Hintergründigen (so nämlich begann die Story) hätte der Film bleiben müssen. Aber bald wurde das, was als geistreicher Spaß begann, zur satirischen Schulstunde, zur blutleeren Unterweisung. (Drehbuch Illing und Feiler.) Kaum waren wir bereit, über den Filmkomiker Heinz Rühmann zu lachen, da merkten wir, daß uns die Re-edukation wieder einmal beim Wickel hatte. Die Aufgaben aber waren (mindest) vierfach: gegen Bürokratie, gegen Parteidiktatur, gegen G’schaftlhuberei und gegen Militarismus vorzugehen. Das waren gewißlöbliche Absichten,doppelt löbliche, weil hier anstatt pathetisch ernster Kanonaden ein streckenweise recht lebhaftes Feuerwerk der Parodie entfesselt wurde. Doch da der Humor sich noch jedesmal dem versagt hat, der ihn in den Dienst einer Sache (gleichgültig, ob einer guten oder einer bösen). stellen wollte, so versagte er sich auch hier. Freilich, zeitweise hatte man gehofft, wenigstens etwas zum Nachdenken oder Nachlächeln mit nach Hause zu nehmen. Zu Haus angekommen, merkteman dann: es war zuwenig gewesen, fast gar nichts. Erika Müller