Von W. Weyres, Köln

Zum Jubiläum des 700. Jahrestages der Grundsteinlegung des Kölner Doms Mitte August werden mit hohen Würdenträgern derkatholischen Kirche viele Gäste aus. dem In- und Ausland in der rheinischen Metropole ver-– sammelt sein. So wird nach den Worten des Kardinals und Erzbischof Frings wenigstens für einige Tage der Glanz des "Christlichen Abendlandes" wie im 13. Jahrhundert wieder erstehen, in dem Europa noch religiös geeint war. Kirchliche Feiern Veranstaltungen der städtischen Bühnen, Konzerte des Gürzenichorchesters und Ausstellungen unterstreichen die weit über Köln und das Rheinland hinausreichende universale Bedeutung des Domfestes. Der Beitrag der Kirche zum Kampf gegen die sozialen Nöte der Zeit kommt in dem Entschluß der Kölner Pfarreien zum Ausdruck, an dem Festtag ihrer Kathedrale den Grundstein für ein Siedlungsdorf auf kirchlichem Lande zu legen.

Am Tage Maria Himmelfahrt, dem 15. August 1248, also vor 700 Jahren, legte derErzbischof Konrad von Hochstaden den Grundstein zum gotischen Neubau des Kölner Doms. In Meister Gerhard, einem Deutschen, der reiche Erfahrungauf den großen Baustellen der Picardie und der Ile de France gesammelt hatte, war der Baumeister gefunden worden, der die künstlerische Handschrift seiner Zeit wohl am reinsten zu schreiben, verstand. Er sollte für einen der bedeutendsten Reliquienschätze der Christenheit, die Gebeine der Heiligen Drei Könige, einen würdigen Tempel bauen. Reinald von Dassel, der Kanzler Friedrich Barbarossas, hatte 1164 diese Gebeine aus Mailand mit nach Köln gebracht. Meister Nicolaus von Verdun und seine Nachfolger hatten für sie zwischen 1180 und 1215 den köstlichen Schrein geschaffen, der, wenn auch verändert, heute noch erhalfen und das bedeutendste Stück-unter den niederrheinischen Schreinen ist. Dieser Schrein sollte in der Vierung des neuen gotischen Doms aufgestellt werden.

Die Stelle, an der Meister Gerhard nun seinen gewaltigen steinernen Schrein über dem goldenen wölben sollte, war durch Tradition geheiligt und durch ihre Lage ausgezeichnet. Auf diesem Hügel am Rheinufer, in der Nordostecke der alten Römerstadt, hat wahrscheinlich schon die erste Bischofskirche Kölns gelegen. Wir wissen von ihr noch nichts. Erzbischof Hildebold gründete an dieser Stelle zur Zeit Karls des Großen eine bedeutende Kirche. Sie wurde wahrscheinlich erst von Erzbischof Willibert vollendet und 870 geweiht. Durch Ausgrabungen wurde nach dem Ietzten Krieg die Ausdehnung dieses Hildeboldschen Doms festgestellt. Er war 91 Meter lang und hatte einen Ost- und einen Westchor.

Der Dom des neunten Jahrhunderts ist vermutlich bis zum dreizehnten Jahrhundert stehengeblieben. Die Chroniken melden nur Verhältnismäßig geringfügige Anbauten unter Erzbischof Bruno I. und unter Reinald von Dassel.

Der alte Dom war noch im zehnten Jahrhundert als die schönste Kirche außerhalb Roms gepriesen worden. Dem glücklichen Besitzer der Dreikönigenreliquien erschien er jedoch als wenig ansehnlich im Kreise der bedeutenden Kirchenbauten, die gegen Ende des zwölften und zu Beginn des dreizehnten Jahrhunderts in Köln entstanden. St. Maria im Kapitol, Groß-St.-Martin, St. Aposteln, St. Gereon, St. Severin, St. Kunibert, St. Georg, sie alle waren in den reichen Formen der späten Stauferzeit erneuert worden. Die Ermordung des heiligen Engelbert (1225) brachte zunächst die Pläne zur Erneuerung des Doms zum Scheitern.

1248 waren die Vorbereitungen des Kapitels so weit gediehen, daß man einen Teil des alten Doms abbrechen konnte. Wieder bedrohte ein Unglück den Beginn, der Arbeiten. Am Quirinstag, dem 30. März, griff das Feuer, das man unter der Mauer der Apsis angelegt hatte, um sie so zum Einsturz zu bringen, auf das Dach über. Es brannte ganz ab. Da man offenbar mit über. langen Bauzeit rechnete, den alten Dom also noch lange Zeit weiter benutzen mußte, lag die Gefahr nahe, Zeit weiter der nun notwendigen Erneuerung des Daches der Baubeginn noch einmal verschoben werden mußte. Es zeugt einder großen Tatkraft und dem Mut des damaligen Kapitels, daß man dennoch,vom Plan nicht abstand und schon am 15. August 1248 die Arbeiten so weit gefördert hatte, daß Erzbischof Arbeiten von Hochstaden den Grundstein legen Konrad