Mit der Verkündung weiterer Demontagelisten haben die Franzosen eine neue Offensive gegen die Industrie Südbadens eingeleitet. Dies veranlaßte die Landesregierung Südbadens bei einmütiger Zustimmung aller Fraktionen ihren Rücktritt zu erklären, "da das Volk des Landes durch die neuen Demontagen und finanziellen Auflagen und die Belastungen und Entnahmen früherer Jahre außerstande ist, die Güter zu erzeugen, deren es zur Fristung eines menschenwürdigen Lebens bedarf". Die Liste umfast elf Betriebe der Chemie, der Uhren- und Maschinenindustrie, die zum Teil vollständig abgebaut werden sollen, Ihr Wert wird von der französischen Regierung im 2,5 Mill. DM geschätzt. Außerdem sind bereits in den letzten zwei Jahren etwa 15 500 Einzelmaschinen, deren Wert deutscherseits mit 40 Mill. RM angegeben wird, von den Franzosen ausgebaut worden, mit der Begründung, dadurch sei die Vollmontage zu vermeiden.

Durch die jetzt beschlossene Demontage würden 40 v. H. der Uhrenerzeugung des Jahres, 1947 und zwei Drittel der Ausfuhr ausfallen. Ein Drittel aller Beschäftigten der Uhrenindustrie würde arbeitslos werden.

Von den betroffenen Maschinen sind 70 v. H. älter als 15 Jahre, obgleich nach Angaben der Militärregierung Maschinen, die alter als 10 Jahre sind, überhaupt nicht demontiert werden sollen, Nach Ansicht der Beteiligten sind die meisten dieser Maschinen für ihre neuen Beisitzer nur Schrott. Statt dessen hat zum Beispiel die Firma Heinemann, St. Georgen, Hersteller von Drehbänken, vorgeschlagen, an Stelle ihrer 183 Machinen, von denen 85 v. H. älter als 15 Jahre sind, neue Maschinen als Reparationen zu liefern.

Auch die Radiofirma "Saba" soll demontiert werden. Sie erhielt auf der badischen Ausfuhrplan Auslandsaufträge für 2,7 Mill. DM. Von einer früheren Demontageliste wurden die inzwischen zu mehr als 70 v. H. in französischen Besitz übergegangenen neun Abteilungen der IG.-Farbenwerke in Rheinfelden abgesetzt. U. S.