Von Hermann Stahl

Hermann Stahl wurde 1908 in der Landschaft geboren, die seine Geschichte beschreibt: im Westerwald. Seit er, der ursprünglich Maler war, 1937 für seinen ersten Roman "Traum der Erde" den Immermann-Preis der Stadt Düsseldorf erhielt, lebt er zurückgezogen am Ammersee seinem fruchtbaren Schaffen.

Noch bestürzte ihn alles, erkannte ihn wieder. Er war angekommen.

Es regnete, grau, wissend, ein fremdes Lächeln schwang darin. Tage vergingen.

Er fand Raum in der Schwebe des Erinnerns. Vor der Treppe eines Zirkuswagens, offene Tür, Sonne, schimmernder Weg des schmalen Flusses, die grüne Böschung. Das dunkle Mädchen wusch den Wagenboden und Hatte die weichste, rundeste, festeste Schulter. Mattes trockenes Braun. Er war vierzehn Jahre alt. Der Blick des Mädchens glänzte, glitt leer über ihn hinweg. Ein innerster Zauber sah ihn an, nie hatte er so geliebt. Nie wieder.

So, Herrgott, wie jene Schulter da sprach, die unbehütete Brust, so sollten Etliche schreiben und malen können, zwanzig vielleicht, in aller weiten schmerzhaften Welt. Vielleicht wäre alles besser, wäre gut.

Bitter lächelte, der so gesehen hatte, in seiner schweigenden Stube, in der eine Uhr schlug. Er sagte: "Freilich, jener Augenblick – niemand brüllte mit Heiserkeit, keine Bombe fiel, keine Lüge traf, an der Flußböschung stand ein alter Zirkuswagen, und es gab kein Verhängnis außer dem Leben. Fast lautlos floß der Fluß. Im Putzeimer des Mädchens plätscherte schmutziges Wasser. Vielleicht war sie achtzehn und war nicht, was ich sah, und trotzdem, was Gott mir zeigte."